Crowdfunding: Operation Libero sammelt Geld gegen No-Billag-Initiative

Die Operation Libero will mit einer Crowdfunding-Kampagne rund 300'000 Franke für eine Kampagne gegen die No-Billag-Initiative sammeln. Ich denke, dass der Verein das auch schaffen wird, denn er hat seine Schlagkraft diesbezüglich bei vergangenen Abstimmungen eindrücklich unter Beweis gestellt.

In der Tat funktionieren Crowdfunding-Aktionen dann, wenn der Absender cool und sympathisch ist, Bewegungscharakter hat und Emotionen im Spiel sind. Bei früheren Abstimmungen konnte Operation Libero deshalb mit solchen Aktionen auch eine eindrückliche Medienberichterstattung auslösen. Ob dies dieses Mal wieder in diesem Ausmass gelingt, ist offen.

Das Ziel der Kampagne müsste strategisch gesehen sein, die jüngere Generation gegen die Initiative zu mobilisieren. Aus zahlreichen Fokusgruppen weiss ich, dass jüngere Wählerinnen und Wähler eine schwächere emotionale Bindung zu den Institutionen des Service Publics haben – so eben auch zur SRG.

Umfrage zur No-Billag-Initiative

Gestern publizierte die SonntagsZeitung eine Umfrage, wonach momentan 57% der Stimmberechtigten der Initiative No-Billag zustimmen würden. Die Umfrage wurde von der Firma marketagent.com durchgeführt. Nun, Umfragen, welche Monate vor der eigentlichen Abstimmung durchgeführt werden, sind immer mit einer gewissen Vorsicht zu geniessen. Gerade bei der Meinungsbildung zu Sachthemen passiert häufig während den letzten Wochen sehr viel. Wenn die Leute Monate vor dem Urnengang befragt werden, haben sie oft sehr begrenztes Wissen und beurteilen die Vorlage eigentlich basierend auf dem Titel. So zeigt auch die Erfahrung, dass besonders der Ja-Anteil sehr volatil ist und meistens abnimmt, je näher die Abstimmung dann rückt.

Dies gilt für die gestern publizierte Umfrage ganz besonders, denn ich habe da gewisse Fragezeichen betreffend der Methodologie. So wie ich verstehe, wurde die Umfrage online (mit Teilnehmern aus einem Panel) durchgeführt. Online muss heutzutage nicht unbedingt unzuverlässiger sein als offline. So zeigte sich zum Beispiel bei den U.S.-Präsidentschaftswahlen letztes Jahr, dass die Leute, welche online befragt wurden, ehrlicher waren, als diejenigen, welche ihre Meinung offline kundtaten. Allerdings finde ich die Stichprobe von 1000 Teilnehmern für eine online Umfrage sehr tief. So wie ich verstehe, wurden die Leute gefragt, wie sicher sie sind, an der Abstimmung teilzunehmen. Für die eigentliche Umfrage wurden dann nur diejenigen 640 berücksichtigt, welche sicher teilnehmen. Erstens macht dies die Stichprobengrösse zusätzlich kleiner und zweitens wird die Stimmbeteiligung wohl kaum tatsächlich 64% betragen. Ein Modell, welches auf Erfahrungswerten aufbaut, wäre wohl zuverlässiger. Weiter scheinen die über 65-jährigen in der Umfrage komplett zu fehlen. Bei Volksabstimmungen in der Schweiz ist die Gruppe aber wichtig. Nun ist es natürlich so, dass Medien, welche eine Umfrage publizieren, nicht unbedingt einen Preis für die beste Methodologie gewinnen wollen. Sie wollen (möglichst kostengünstig) eine Grundlage für eine knackige Geschichte haben. Das war hier sicher der Fall, denn die Umfrage wurde von zahlreichen Medien aufgenommen.

Jamaika-Koalition in Deutschland gescheitert

Wie viele politisch Interessierte habe auch ich den Sonntag Abend vor dem Computer und dem Fernsehen verbracht. Nun ist klar: Es kommt in Deutschland (vorerst) keine Jamaika-Koalition zu Stande. Um Mitternacht haben die Liberalen die Verhandlungen verlassen. Mir scheint, sie hätten dies unter anderem auch als wahltechnischen Gründen getan.

Nun kommt eine Phase der Unsicherheit. Dies ist neu für Deutschland. Der Weg zu Neuwahlen ist verschnörkelt und würde die Bildung einer neuen Regierung wohl kaum vereinfachen. Andererseits ist auch eine Minderheitsregierung in Deutschland, wo alle Akteure immer von der «stabilen Regierung» sprechen, schwer vorstellbar.

Vielleicht wird Angela Merkel noch ein, zwei Jährchen weiterregieren. Es scheint aber klar, dass dies der Anfang des Endes der Ära Merkel ist.

Die Episode illustriert einen Trend, welchen ich auch in den USA, Grossbritannien und in der Schweiz feststelle: Kompromiss ist heutzutage uncool. Die westlichen Demokratien sind gespaltener und polarisierter denn je. Ein Kunde von mir aus Grossbritannien hat mir kürzlich erzählt, er kenne niemanden in seinem Umfeld, der für den Brexit gestimmt hat – und dies, obwohl die Bevölkerung ihn mit klarer Mehrheit angenommen hat.