Parteitag der Demokraten

Nach den Republikanern war es diese Woche nun an den Demokraten, ihren Parteitag durchzuführen. Ein erstes wichtiges Ziel war dabei, parteiinterne Geschlossenheit zu demonstrieren. Die feurigen Reden von Bernie Sanders und Michelle Obama am ersten Tag waren diesbezüglich wichtige Puzzlesteine. Im zweiten Teil des Parteitages ging es dann darum, Kontrast zu Donald Trump herauszuarbeiten und vor allem auch darum, Hillary Clinton von einer anderen, humaneren Seite zu zeigen. Ihre Rede am Donnerstag Abend fand ich recht gut gelungen. Anekdoten aus dem Privatleben sollten ihre notorisch schlechten Popularitätswerte anheben. Gleichzeitig ging es aber auch darum, die Amerikaner davon zu überzeugen, dass sie Präsidentin und vor allem auch Oberbefehlshaberin der Armee sein kann. Insgesamt hat der Parteitag wohl die strategischen Ziele erreicht und ging ohne grosse handwerkliche Fehler über die Bühne.

Mehr dazu in meinem Interview auf Handelszeitung online:
www.handelszeitung.ch/WahlkampfUSA

Publizität um jeden Preis?

Diese Woche sorgte der Zürcher Gemeinderat Mario Babini erneut für negative Schlagzeilen. Er kam betrunken im Auto in eine Polizeikontrolle. Lange Zeit gab es Politiker und auch PR-Berater, welche meinten, Publizität sei immer gut. Das Motto lautete: Hauptsache die Medien schreiben den Namen richtig und Du bist im Gespräch. Ich bin nicht ganz dieser Meinung. Je unbekannter und undefinierter das öffentliche Image eines Politikers ist, desto anfälliger ist er auf Negativmeldungen. Wenn Wähler eigentlich nichts über einen Politiker wissen ausser der Negativmeldung, dann ist das selten gute Publizität. Vor allem dann nicht, wenn die Schlagzeile eigentlich nichts mit politischem Inhalt zu tun hat. Je mehr zusätzliche Informationen Wählerinnen und Wähler über einen Politiker haben (Leistungsausweis, politische Themen, Errungenschaften etc.), desto eher sind sie bereit, Fehltritte zu verzeihen. Denn die Zeiten, wo wir unsere Politiker bewundern wollten, sind sicher vorbei. Die Wähler wissen, dass Politiker auch nur Menschen sind wie alle anderen auch.

Mehr dazu in einem Artikel auf 20 Minuten online:
www.20min.ch/schweiz/zuerich/Blaufahrt

Wer mehr über den Parteikonvent der Republikaner und die Rede von Donald Trump lesen möchte, kann dies auf meinem englischsprachigen Blog tun: www.campaignanalysis.com

Wahlkampf USA: Die Wahl eines geeigneten Vizepräsidentschaftskandidaten

Demnächst nominieren Donald Trump und Hillary Clinton ihre beiden Vizepräsidentschaftskandidaten. Dieser Entscheid ist enorm wichtig, denn es ist der einzige Entscheid, welcher ein Präsidentschaftskandidat nach der Wahl nicht ändern kann. In der Tat: Von allen Wahlkampfversprechen kann sich ein gewählter Präsident einmal im Weissen Haus angekommen mehr oder weniger schnell distanzieren. Die Nomination des Vizepräsidenten hingegen ist verbindlich.

Die Rolle der Vizepräsidenten hängt stark davon ab, welche Rolle der Präsident seinem running mate geben will. Joe Biden, Dick Cheney und Al Gore sind alles Beispiele von Vizepräsidenten, welche hinter den Kulissen eine wichtige Rolle gespielt haben.

Was den Wahlkampf angeht, muss sich ein Präsidentschaftskandidat fragen, was er oder sie mit der Nomination des Vizepräsidenten strategisch erreichen will. Donald Trump hat den Selektionsprozess verhältnismässig öffentlich geführt. Er bräuchte wohl jemand, der vertrauensbildend wirkt und das Ticket ausgleicht, also zum Beispiel ein guter Kenner des politischen Betriebes in Washington D.C. Bei Hillary Clinton ist die richtige Wahl weniger offensichtlich. Mutig wäre, jemanden zu wählen, die die eigene Message unterstreicht – eine zweite Frau eben.