Wahlen im Kanton Genf: Erdrutschartige Verschiebungen

Der Kanton Genf ist bekannt für seine volatile Wählerschaft. Das wurde bei den kantonalen Wahlen gestern wieder einmal deutlich unter Beweis gestellt. Das Mouvement des Citoyens Genevois (MCG) verliert praktisch die Hälfte seines Wähleranteils und neun von 20 Sitzen. Dieses Ausmass an Wählerschwankungen ist auch eine Inspiration für Wahlkämpfer anderswo. Heutzutage sollte keine Partei mehr allzu sehr auf loyale Wählerinnen und Wähler zählen. Eine Partei muss sich von Wahl zu Wahl neu erfinden und sich seine Wählerschaft jedes Mal neu erkämpfen. Der Schlüssel dabei ist die Message, also der Grund, warum man dieses Mal für die Partei X und nicht Y oder Z stimmen sollte. Eine gute Message ist mehr als ein Slogan, aber weniger als ein Parteiprogramm. Es ist eine kohärente Geschichte und das kommunikative Fundament einer Kampagne.

Höhere Stimmbeteiligung dank einfacheren Abstimmungsunterlagen?

Die Zürcher Kantonsrätin Karin Fehr verlangt mit einem Vorstosss, dass das Abstimmungsmaterial der Behörden einfacher und verständlicher formuliert werden soll. So sollen mehr Leute mobilisiert werden, an Abstimmungen teilzunehmen. Man kann das sicher probieren, ich würde mir davon aber nicht allzu viel erhoffen. Schliesslich gibt es Vorlagen, die einfach kompliziert sind und damit auch natürliche Grenzen der direkten Demokratie. Sicher ist es begrüssenswert, wenn möglichst viele Bürgerinnen und Bürger am Prozess teilnehmen. Ich sehe das mit der Stimmbeteiligung aber auch entspannt. Wer sich für eine Vorlage nicht interessiert, soll auch die Freiheit haben, nicht abzustimmen. Mehr dazu im Beitrag auf Tele Z von gestern Abend.



Gastvorlesung an der Berner Fachhochschule für Wirtschaft: Giveaways sind Geldverschwendung

Heute habe ich an der Berner Fachhochschule für Wirtschaft eine Gastvorlesung gehalten. Dabei kamen nicht nur die U.S.-Wahlen zur Sprache, sondern wir haben auch versucht, aus aktuellem Anlass den Bogen zu den Berner Wahlen vom Wochenende zu schlagen. Dabei gilt nach wie vor: Giveaways und Plakate mit Köpfen und inhaltslosen Sprüchen sind für mich Geldverschwendung. Wahlen gehen verloren, weil diejenigen Leute, welche eine Kampagne ins Visier nimmt, nicht verstehen, was die Kampagne ihnen sagen will. Oder sie es nicht hören wollen, sie es vergessen, oder es sie emotional nicht dort abholt, wo sie stehen.