Lobbying und Public Affairs: Mehr anpassen und optimieren anstatt beeinflussen?

Während jeder Session versuche ich, mindestens einmal im Parlament zu sein. Dies ist auch während der momentanen Sommersession der Fall (inklusive Abendschicht vorgestern Montag). Dabei wurde mir einmal mehr bewusst: Die meisten Lobbyisten und Public-Affairs Mitarbeiter verbringen zu viel Zeit mit dem Versuch, Entscheide zu beeinflussen, welche wir eigentlich nur marginal beeinflussen können. Stattdessen sollten wir mehr Aufmerksamkeit darin investieren, für eine Firma oder einen Interessenverband das Beste aus einer gegebenen Situation zu machen.

Wiederwahl von SP-Regierungsrat Mario Fehr: Partei stellt Vertrauensfrage

Der Zürcher Regierungsrat Mario Fehr liegt seit Jahren mit Teilen seiner Partei im Clinch (und Teile seiner Partei mit ihm). Nächsten Dienstag soll an einer ausserordentlichen Delegiertenversammlung die Klärung kommen: Steht die Partei noch hinter Mario Fehr und zieht mit ihm in die Wahlen vom nächsten Frühling? Und will Mario Fehr überhaupt als SP-Kandidat in die Wahlen ziehen? Ich finde das Vorgehen richtig und mutig. Doch die Klärung hat mit einem Missverständnis begonnen. Mein Interview dazu auf 20 Minuten online.

Personenwahlkampf vs. Parteienwahlkampf

Es gibt wichtige Unterschiede zwischen einem Wahlkampf für eine Partei und demjenigen für eine Person. In der Schweiz ist derjenige Personenwahlkampf am effizientesten, der nicht aussieht wie Wahlkampf. Personenwahlkämpfe werden nicht während den letzten paar Wochen vor der Wahl entschieden. Teure Plakate mit lächelnden Gesichtern und inhaltslosen Sprüchen sind klassische Geldverschwendung. In der Tat: Es gibt nicht wenige Kandidaten für National- und Kantonsratswahlen welche fünf- und sechsstellige Beträge auftreiben und trotzdem nicht gewählt werden. In einem Personenwahlkampf in der Schweiz ist die Ressource Zeit (clever eingesetzt!) viel entscheidender als Geld. Es zählt die mittelfristige Aufbauarbeit. Dazu gehört eine proaktive mediale Verwertung der politischen Arbeit und die Bedienung der eigenen Unterstützer. Auch der Aufbau einer Datenbank ist essentiell. Ein Kandidat für die Zürcher Exekutive hat mir vor der Wahl erzählt, er habe in seiner Datenbank mehr als 10‘000 Adressen. Chapeau! Er wurde mit Bravour wiedergewählt.