Umfrage zur No-Billag-Initiative

Gestern publizierte die SonntagsZeitung eine Umfrage, wonach momentan 57% der Stimmberechtigten der Initiative No-Billag zustimmen würden. Die Umfrage wurde von der Firma marketagent.com durchgeführt. Nun, Umfragen, welche Monate vor der eigentlichen Abstimmung durchgeführt werden, sind immer mit einer gewissen Vorsicht zu geniessen. Gerade bei der Meinungsbildung zu Sachthemen passiert häufig während den letzten Wochen sehr viel. Wenn die Leute Monate vor dem Urnengang befragt werden, haben sie oft sehr begrenztes Wissen und beurteilen die Vorlage eigentlich basierend auf dem Titel. So zeigt auch die Erfahrung, dass besonders der Ja-Anteil sehr volatil ist und meistens abnimmt, je näher die Abstimmung dann rückt.

Dies gilt für die gestern publizierte Umfrage ganz besonders, denn ich habe da gewisse Fragezeichen betreffend der Methodologie. So wie ich verstehe, wurde die Umfrage online (mit Teilnehmern aus einem Panel) durchgeführt. Online muss heutzutage nicht unbedingt unzuverlässiger sein als offline. So zeigte sich zum Beispiel bei den U.S.-Präsidentschaftswahlen letztes Jahr, dass die Leute, welche online befragt wurden, ehrlicher waren, als diejenigen, welche ihre Meinung offline kundtaten. Allerdings finde ich die Stichprobe von 1000 Teilnehmern für eine online Umfrage sehr tief. So wie ich verstehe, wurden die Leute gefragt, wie sicher sie sind, an der Abstimmung teilzunehmen. Für die eigentliche Umfrage wurden dann nur diejenigen 640 berücksichtigt, welche sicher teilnehmen. Erstens macht dies die Stichprobengrösse zusätzlich kleiner und zweitens wird die Stimmbeteiligung wohl kaum tatsächlich 64% betragen. Ein Modell, welches auf Erfahrungswerten aufbaut, wäre wohl zuverlässiger. Weiter scheinen die über 65-jährigen in der Umfrage komplett zu fehlen. Bei Volksabstimmungen in der Schweiz ist die Gruppe aber wichtig. Nun ist es natürlich so, dass Medien, welche eine Umfrage publizieren, nicht unbedingt einen Preis für die beste Methodologie gewinnen wollen. Sie wollen (möglichst kostengünstig) eine Grundlage für eine knackige Geschichte haben. Das war hier sicher der Fall, denn die Umfrage wurde von zahlreichen Medien aufgenommen.