Jamaika-Koalition in Deutschland gescheitert

Wie viele politisch Interessierte habe auch ich den Sonntag Abend vor dem Computer und dem Fernsehen verbracht. Nun ist klar: Es kommt in Deutschland (vorerst) keine Jamaika-Koalition zu Stande. Um Mitternacht haben die Liberalen die Verhandlungen verlassen. Mir scheint, sie hätten dies unter anderem auch als wahltechnischen Gründen getan.

Nun kommt eine Phase der Unsicherheit. Dies ist neu für Deutschland. Der Weg zu Neuwahlen ist verschnörkelt und würde die Bildung einer neuen Regierung wohl kaum vereinfachen. Andererseits ist auch eine Minderheitsregierung in Deutschland, wo alle Akteure immer von der «stabilen Regierung» sprechen, schwer vorstellbar.

Vielleicht wird Angela Merkel noch ein, zwei Jährchen weiterregieren. Es scheint aber klar, dass dies der Anfang des Endes der Ära Merkel ist.

Die Episode illustriert einen Trend, welchen ich auch in den USA, Grossbritannien und in der Schweiz feststelle: Kompromiss ist heutzutage uncool. Die westlichen Demokratien sind gespaltener und polarisierter denn je. Ein Kunde von mir aus Grossbritannien hat mir kürzlich erzählt, er kenne niemanden in seinem Umfeld, der für den Brexit gestimmt hat – und dies, obwohl die Bevölkerung ihn mit klarer Mehrheit angenommen hat.