Was Martin Schulz hätte anders machen können?

Im Nachgang zu meinem letzten Post haben mich einige gefragt, was denn Schulz hätte anders machen können. Das ist nicht ganz einfach. Es gibt normalerweise ein grosses Thema, welches Wahlen entscheidet. Im Fall der deutschen Bundestagswahlen war das offensichtlich die Flüchtlingskrise. Und damit sind wir beim fundamentalen Problem: Weder Schulz noch die SPD können bei diesem Thema eine glaubwürdige Alternative zu Merkel und der CDU präsentieren.

Ein zweites Problem ist die Zeit. Schulz wurde Ende Januar zum Kanzlerkandidaten erkoren. Sicherlich hatte Schulz eine lange Erfahrung als Berufspolitiker in Brüssel, als Wahlkämpfer war er aber für das Rennen weitgehend unvorbereitet. Es ist fast unmöglich, innerhalb von acht Monaten eine schlagkräftige Kampagne aus dem Boden zu stampfen.

Schliesslich passen Partei und Kandidat auch nicht zusammen. Eine Challenger-Kampagne macht man am besten als freier Mann. So ist es einer der wenigen Vorteile eines Herausforderers, dass er den Amtsinhaber kritisieren kann. Deswegen hat die SPD wohl ja auch Schulz nominiert. Doch als Partei ist die SPD gefangen in der grossen Koalition. Kaum nominiert, wurde Schulz zu einem Teil von diesem Gefängnis.