Telefonaktion der SP

Nach dem Erfolg der SP Kanton Aargau vom letzten Wochenende wurde die Telefonaktion der Genossen abermals medial thematisiert. Ich habe während dem Wahlkampf zu den eidgenössischen Wahlen letztes Jahr oft gesagt und bin immer noch dieser Meinung: Wahlkampf via Telefon bringt’s. Wahlkämpfe in der Schweiz sind so unterschiedlich von Wahlkämpfen in den USA wie sie nur sein könnten. Aber trotzdem: Auf Grund des Proporzsystems und der tiefen Stimmbeteiligung braucht es bei Parlamentswahlen in der Schweiz äusserst wenig Stimmen, um kleine Erdbeben auszulösen. Allerdings sind die Details bei einer solchen Aktion entscheidend. Zuerst einmal ist die Anzahl Anrufe entscheidend. Es braucht viele Telefonate. Weiter braucht es Parteipromis, welche bei der Aktion vorangehen, sowie geschulte Helferinnen und Helfer, welche nachziehen. Schliesslich muss eine Partei auch einen Datensatz von affinen Leuten aufbauen, welche man anrufen sollte. In den USA ist dies längst Standard. Dort setzt Hillary Clinton momentan neue Massstäbe betreffend Wahlkampf mit dem iPhone.

Mehr zum Telefonwahlkampf der SP im Artikel im Tages-Anzeiger:
www.perroncampaigns.com/Tagi

Debatten im U.S.-Wahlkampf: Hillary Clinton als grosse Gewinnerin

Die drei Debatten im U.S.-Präsidentschaftswahlkampf sind vorbei. Mit etwas Distanz erscheint Hillary Clinton als grosse Gewinnerin. Vor der ersten Debatte war Clinton angeschlagen und lag mit Trump in den Umfragen gleich auf. Nun ist sie die klare Favoritin im Schlussspurt. Sogennante «instant polls», Umfragen also, welche direkt nach den Debatten erhoben werden, sind immer mit noch mehr Vorsicht zu geniessen als gewöhnliche Umfragen. Trotzdem ist ein historischer Vergleich von Blogger Nate Silver äusserst interessant. Er zeigt auf, dass Clinton gemäss den Umfragen von CNN und USA Today/Gallup in allen drei Debatten als Siegerin gesehen wurde. Die erste Debatte gewann sie mit einem Vorsprung auf Trump von 35%, die zweite mit 23% und die dritte mit 13%. Dies ergibt einen kombinierten Vorsprung von 71%, was im historischen Kontext die Bestleistung darstellt. So ist es mehr als der kombinierte Vorsprung von Obama auf McCain 2008 (+64%), von Bill Clinton auf George H. W. Bush 1992 (+56%), und John Kerry auf George W. Bush 2004 (+31%). Wie das letzte Beispiel aus dem Jahr 2004 allerdings zeigt, können Wählerinnen und Wähler durchaus in einer Umfrage sagen, der eine Kandidat hätte gewonnen und dann trotzdem für den anderen wählen. Es ist bei Wahlen also wie beim Sport. Es ist nicht vorbei bis zum Abpfiff. Trotzdem steigt Hillary Clinton als klare Favoritin in die letzten 17 Tage des Wahlkampfes.

Am Tag nach der letzten Debatte war ich zu Gast bei Susanne Brunner im Tagesgespräch auf Radio SRF 1 (siehe Bild). Dabei ging es neben der Aktualität des U.S.-Wahlkampfes auch um die Politikberatung als Geschäft: www.srf.ch/sendungen/tagesgespraech/



Wie erwähnt führe ich am 14. November, dem Montag nach den Wahlen, ein Seminar zu den Lehren aus dem U.S.-Wahlkampf durch. Hier finden Sie mehr Informationen und können sich anmelden: www.perroncampaigns.com/seminar

Mehr zum U.S.-Wahlkampf gibts auch auf meinem englischsprachigen Blog: www.campaignanalysis.com

Vortrag Lions Club Chur Kora: Zeit ist wichtiger als Geld im Wahlkampf

Letzten Montag habe ich beim Lions Club in Chur einen Vortrag zu den U.S.-Wahlen gehalten (im Bild: Damiano Paganini, Präsident Lions Club Chur Kora, und ich). Ein Teilnehmer fragte gegen Ende der Fragerunde, was Donald Trump denn nun aus Kampagnensicht und in Anbetracht sinkender Umfragewerte noch tun könnte?


Dies ist eine schwierige Frage, denn die Zeit läuft ihm davon. Dabei wäre Trump als Kandidat eigentlich durchaus interessant. Das Wahlvolk will Veränderung, er ist ein Quereinsteiger. Seinen Background als Geschäftsmann hätte man in Szene setzen können. Allerdings müsste die Kampagne erklären, wie Trump seine Erfahrung hilft, die wirtschaftliche Situation aller Amerikaner zu verbessern. Es bräuchte dazu ein Drehbuch. Sein Hintergrund als TV-Star hätte man nutzen können, um jüngere und parteipolitisch ungebundene Wähler anzupeilen. Aber solche Strategien können nicht über Nacht umgesetzt werden. Sie brauchen Zeit. Zeit ist sowieso die wichtigste Ressource in jeder Kampagne. Für eine gute Idee kann man gemäss meiner Erfahrung fast immer mehr Geld auftreiben. Aber verlorene Zeit kann man im Wahlkampf nicht zurückgewinnen. Ich habe in der Vergangenheit Kunden in ähnlichen Situationen auch abgelehnt. Meiner Meinung nach bleibt Trump wohl nur noch die Gegenoffensive, wenn er die sich abzeichnende Niederlage noch abwenden will.

Mehr zum U.S.-Wahlkampf gibt es im grossen Interview in der Neuen Luzerner Zeitung und im St. Galler Tagblatt: www.perroncampaigns.com/NLZ

Wie bereits erwähnt führe ich am 14. November ein Seminar zu den U.S.-Wahlen und den Lehren daraus durch. Mehr Infos gibt’s hier: www.perroncampaigns.com/seminar

Ankündigung: Seminar zu den U.S.-Wahlen

Fasziniert verfolgen Journalisten, Politiker sowie politisch interessierte Leute rund um die Welt den Showdown zwischen Hillary Clinton und Donald Trump. Deshalb möchte ich Sie gerne auf ein Angebot aufmerksam machen: Am Montag nach der Wahl, dem 14. November, werde ich ein eintägiges Seminar zu den U.S.-Wahlen und den Lehren daraus durchführen. Dabei stehen folgende Themen im Fokus:

•    Das Resultat: Erklärungen und Hintergründe, Auswirkungen auf die Schweiz
•    Sieg oder Niederlage: Was bleibt vom (Medien-)Phänomen Trump?
•    Bilanz Wahlkampf: Neue Kampagnentrends und Instrumente
•    Lehren: Was wir hierzulande von amerikanischen Wahlkämpfen für Kampagnen, Krisenkommunikation und Meinungsforschung lernen können

Das Seminar findet im Hotel Marriott in Zürich statt. Neben dem U.S.-Wahlkampf soll bei einem 3-gängigen Mittagessen auch genügend Zeit für gegenseitiges Kennenlernen und Netzwerken bleiben. Für schnell Entschlossene, die sich bis Ende Woche anmelden oder Teilnehmer, welche sich zu zweit registrieren, gibt es einen Rabatt. Wenn Sie mehr Informationen wünschen und/oder sich anmelden möchten, können Sie dies unter folgendem Link tun: www.perroncampaigns.com/seminar.

U.S.-Wahlkampf: Die Ereignisse überstürzen sich

Die Ereignisse im U.S.-Wahlkampf überstürzen sich. Die Washington Post veröffentlichte ein brisantes Video von Donald Trump. Zahlreiche Republikaner distanzieren sich vom offiziellen Kandidaten. Mehr dazu im Gespräch auf Radio 1. In der Sendung Doppelpunkt diskutiere ich zusammen mit Roger Schawinski und Felix Müller, dem Chefredaktor der NZZ am Sonntag:
www.radio1.ch/de/podcast/doppelpunkt--8

Sowie im Interview auf 20 Minuten online:
http://www.20min.ch/Trump

Das Medienphänomen Donald Trump

Letzten Dienstag hielt ich bei der Zürcher Public Relations Gesellschaft ein Referat zum Medienphänomen Donald Trump (siehe Bild). Im Kampagnenjargon unterscheiden wir generell zwischen «paid media» und «earned media». Unter «paid media» versteht man grundsätzlich Werbung. Man bezahlt also für Werbezeit oder Platz und kann dann kommunizieren, was man will. Unter «earned media» versteht man allgemein der redaktionelle Teil. Als Kampagne versucht man hier also, im redaktionellen Teil der Medien erwähnt zu werden.



Donald Trump hat in seiner Präsidentschaftskampagne fast gänzlich auf «earned media» gesetzt (er soll nicht an die Effizienz von Fernsehwerbung glauben). Dies mit einigem Erfolg: Gemäss der Zeitschrift The Atlantic wurde Donald Trump während den ersten 100 Tagen nach Ankündigung seiner Kandidatur ganze 326'145 Mal im Fernsehen erwähnt. Mitte März, gegen Ende der Vorwahl-Saison, wurde Trump’s Sendezeit im Fernsehen in Werbezeit umgerechnet auf rund 2 Milliarden Dollar geschätzt. Und von Juli 2015 bis August 2016 wurden in den führenden Zeitungen und Magazinen knapp 30'000 Geschichten über Donald Trump publiziert. Dank seinen Provokationen und Tabubrüchen hatte Trump also ganz klar die Aufmerksamkeit der Medien. In diesem Zusammenhang ist auch ab und zu vom Teflon-Trump die Rede, dass also aller Negativmeldungen zum Trotz nichts an ihm hängen bleibt. Na ja, die Umfragen sprechen eine andere Sprache. Donald Trump ist der unbeliebteste Präsidentschaftskandidat aller Zeiten. Gemäss dem Durchschnitt aller publizierten Umfragen der Webseite realclearpolitics.com haben fast 58% der Amerikanerinnen und Amerikaner mittlerweile eine negative Meinung über Donald Trump.

U.S.-Wahlkampf: Trump könnte während Jahren keine Einkommenssteuern bezahlt haben

Es war keine gute Woche für Donald Trump. In der ersten Fernsehdebatte vom letzten Montag wirkte Trump wie ein verwöhnter Bub, während den Tagen nach dem Duell wie ein uneinsichtiger, alter Mann. Dieses Wochenende publizierte die New York Times nun einen Artikel, wonach Trump während bis zu 18 Jahren keine Einkommenssteuern bezahlt haben könnte. 1995 soll Trump einen Verlust von fast einer Milliarde Dollar eingefahren haben. Dies macht die Steueroptimierung möglich.

Trump hat die Vorwürfe bis jetzt weder bestätigt noch dementiert. Es wird im ja auch nichts Illegales vorgeworfen. Auch widerspricht es grundsätzlich nicht Trump’s Steuerpolitik. Der Unternehmer hatte im Wahlkampf immer betont, nur das strikte Minimum an Steuern zu bezahlen. Trotzdem werden Trump die Vorwürfe im Wahlkampf sicher nicht helfen. Während der Debatte gegen Hillary Clinton hatte Trump ja gesagt, wenn er keine Einkommenssteuern bezahlen würde, mache ihn das intelligent. Wie sollen sich denn alle diejenigen Wähler fühlen, welche Einkommenssteuern bezahlen?

Wähler mit tieferem Einkommen und tieferem Bildungsgrad sind Kerngruppen der Trump-Kampagne. Clinton wird die Vorwürfe der New York Times nutzen, diese Wähler Trump nicht kampflos zu überlassen. Die Auswirkungen der Vorwürfe auf die Umfragen werden wir sehen. In einem knappen Rennen wie diesem können ein paar Prozentpunkte aber sehr wohl etwas ausmachen.