Bundesratswahlen 2015: Guy Parmelin gewählt

Die Schweiz hat einen neuen Bundesrat. Im dritten Wahlgang wurde heute Guy Parmelin aus dem Kanton Waadt gewählt. Damit ist die Waadt erstmals seit 1998 wieder in der Landesregierung vertreten (vorher war es lange Zeit üblich, dass der Kanton Waadt regelmässig im Bundesrat vertreten war).




Parmelin ist der erste SVP-Bundesrat aus der Romandie. Für die Entwicklung der Partei in der Westschweiz ist dies sicher eine Chance. Ein Bundesrat kann für eine Partei ein wichtiges Aushängeschild darstellen. Es ist vor allem in der Westschweiz, wo die SVP weiteres Wachstumspotential hat.

Die Linke hatte bis zuletzt auf einen Sprengkandidaten oder einen vierten Mann/eine vierte Frau gehofft. Doch die Mitteparteien wollten nicht mitmachen. Sie wollten die SVP einbinden und deshalb einen offiziellen Kandidaten der Volkspartei wählen. Viele Parlamentarier aus der Mitte und von den rot-grünen Parteien haben dann wohl das für sie kleinere Übel gewählt. Es wird sich zeigen, ob diese Einbindung funktionieren wird. Im Kanton Waadt hat die SVP durchaus eine gemässigte Tradition. Parmelin selber war vor vielen Jahren gar einmal Befürworter des europäischen Wirtschaftsraumes (EWR). In Bundesbern munkelte man heute, dass Thomas Aeschi eigentlich der Wunschkandidat des inneren Kerns der Parteiführung war.

Mit drei Sitzen ist die Westschweiz nun eigentlich übervertreten. Es ist jedoch nicht das erste Mal, dass die Romandie mit drei Sitzen im Bundesrat vertreten ist. Die Deutschschweizer werden sich wohl kaum gross daran stören.

Bundesratswahlen 2015: Nacht der langen Messer?

Im Zusammenhang mit Bundesratswahlen wird häufig von der Nacht der langen Messer gesprochen. Diese ist teilweise ein Mythos. Trotzdem ist es aber häufig so, dass vor Bundesratswahlen das Entscheidende oft erst sehr kurz vor dem Wahltag – und gelegentlich auch weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit und der Medien – passiert. So könnte es auch dieses Mal sein. Als ich mich heute in Bern etwas rumgehört habe, spürte ich sowohl bei Politikern wie auch bei Journalisten eine gewisse Verunsicherung. Wir müssen also warten, bis alle National- und Ständeräte Morgen im ersten Wahlgang für die Nachfolge von Eveline Widmer-Schlumpf ihre Karten auf den Tisch legen müssen. Ich werde live und exklusiv auf Radio Suisse Romande den ganzen Morgen über kommentieren.