Was wir von amerikanischen Wahlkämpfen lernen können

Kürzlich hielt ich einen Gastvortrag an der Hertie School of Government in Berlin (siehe Bild). Ein paar Tage später hatte ich meine regelmässige Vorlesung im Rahmen des CAS politische Kommunikation an der ZHAW in Winterthur. Bei beiden Veranstaltungen ging es darum, was man von amerikanischen Wahlkämpfen lernen und auf unsere Länder übertragen kann. Nun, amerikanische Wahlkämpfe sind in unserer Disziplin das Gleiche wie die Weltmeisterschaft für den Fussball. Offensichtlich kann man sich da inspirieren lassen und einiges lernen. Man darf aber nicht blind copy, pasten, sonst läuft man schnell die Gefahr, sich lächerlich zu machen.


Joseph Napolitan, der Vater der Politberatung, soll mal gesagt haben: „Jeder Wahlkampf ist gleich. Jeder Wahlkampf ist anders“. Klingt banal, trifft es aber ziemlich gut. Es gibt eine gewisse Methodologie, welche überall funktioniert. Dabei handelt es sich um das, was amerikanische Campaigner „research based message & strategy development“ nennen. Es geht dabei darum, quantitative (Umfragen) und qualitative (Fokusgruppen) Meinungsforschung als Grundlage für eine Kampagne zu nutzen. Ich sage bei meinen Vorträgen immer, dass man eine Kampagne als Serie von strategischen Entscheiden verstehen und planen soll. In diesem Sinn wird Meinungsforschung also genutzt, um diese Entscheide informiert zu fällen. Ich glaube, dass dieser Aspekt derjenige ist, welcher amerikanische Wahlkämpfer am besten können. Der Ansatz und die Methodologie funktionieren überall, müssen aber selbstverständlich den lokalen Gegebenheiten angepasst werden.

Das Instrument der Meinungsforschung ist dabei wohlverstanden das Gleiche, wie es auch in unseren Breitengraden bekannt ist. Es geht in diesem Rahmen aber nicht darum, das Wahlresultat vorauszusagen, wie das etwa Medien häufig interessiert. Noch ist es das Ziel, das Wahlresultat im Nachhinein zu erklären, wie das Politikwissenschaftler traditionell tun. Es geht darum, schlagkräftige Kampagnen zu entwickeln und das Wahlresultat so zu beeinflussen.