Vorschau auf die erste Debatte im U.S. Präsidentschaftswahlkampf: Form und Substanz entscheiden über Gewinnen und Verlieren


Heute Abend findet in Denver, Colorado, die erste Debatte im U.S. Präsidentschaftswahlkampf statt. Dies ist ein wichtiges „Rendez-Vous“ zwischen den beiden Kandidaten und der Wählerschaft. Vor vier Jahren haben rund 50 Millionen Zuschauer die Debatten am Fernsehen mitverfolgt. Zudem dominieren diese Duelle dann meistens noch die Berichterstattung in den Medien für ein, zwei Tage. Jeder Fehltritt wird also noch zig Mal wiederholt. Die Wählerinnen und Wähler mögen die Debatten, da diese eine der seltenen Gelegenheiten darstellen, wo man die beiden Kandidaten nebeneinander sieht und direkt vergleichen kann. Schliesslich geht es ja in einem Wahlkampf darum, Unterschiede aufzuzeigen. Wenn es keinen Unterschied zwischen Kandidat A und B gibt, warum wählen gehen?

Bei dieser Ausgangslage überrascht auch die Ernsthaftigkeit nicht weiter, mit der Obama und Romney die Vorbereitung für die Debatten angehen. Die Tage als Richard Nixon gegen John F. Kennedy verlor, weil er erschöpft nach einem langen Wahlkampf-Tag und ohne grosse Vorbereitung erschien, sind längst vorbei. Heutzutage investieren alle Kandidaten mehrere Tage ihrer kostbaren Zeit ins Training.  Dabei übernimmt meistens ein Parteikollege die Rolle des Gegners.  Zur idealen und möglichst realitätsgetreuen Vorbereitung bauen jeweils beide Lager eine exakte Replik des Podiums nach, auf welchem die Debatte stattfindet.

Ich bin überzeugt, dass am Ende sowohl Form und Substanz darüber entscheiden, wer gewinnt und wer verliert. Ein Kandidat muss nicht nur aufpassen, was er sagt, sondern auch wie er etwas sagt. Vorfälle wie im Jahr 1992, als George H.W. Bush stetig auf seine Uhr blickte, hinterlassen keinen guten Eindruck beim Publikum. Auch der arrogant wirkende Auftritt von Al Gore im Jahr 2000 kann hier als schlechtes Beispiel genannt werden.

Zur Vorbereitung gehört auch, eine klare Strategie festzulegen, was eine Kampagne mit einer Debatte erreichen will. Da Mitt Romney in den Umfragen hinterher hinkt, muss er in die Offensive gehen. Er muss die grundlegende Dynamik des Rennens ändern. Obama dagegen kann sich zu einem guten Teil darauf konzentrieren, grobe Fehler zu vermeiden und seine Leistungsbilanz zu verteidigen.

Grundsätzlich liegt der Herausforderer bei der ersten Debatte leicht im Vorteil, da er auf Augenhöhe mit dem bisherigen Präsidenten erscheint. Ob Mitt Romney allerdings davon profitieren kann, wird sich zeigen. Denn Debatten sind meiner Meinung nach besonders gut dafür geeignet, aufzuzeigen, dass ein Kandidat sachkundig und kompetent ist. Das ist aber nicht das, was Romney dringend braucht. Viel schwieriger ist es, jemanden in einer Debatte sympathisch und volksnah darzustellen – etwas, was Romney dringend nötig hat.

Schliesslich sollte die Wirkungskraft von Debatten aber auch nicht überschätzt werden. Schliesslich ist es mehr als dreissig Jahre her, im Jahr 1980, als eine Debatte das letzte Mal ein Wahlergebnis entscheidend beeinflusste. Meistens zementieren Debatten einfach das, was Wähler ohnehin bereits über die Kandidaten denken.