Joe Biden vs. Paul Ryan: Analyse der Vizepräsidentschafts-Debatte




Nachdem Mitt Romney die erste der drei Präsidentschaftsdebatten eindeutig als Erfolg für sich  verbuchen konnte, hatte er während der letzten Tage in Umfragen kräftig zugelegt. Gemäss den letzten Umfragen liegt er nun knapp vor Präsident Obama. Die Vizepräsidentschaftsdebatten stellten das nächste Grossereignis auf dem diesjährigen Wahlkampfkalender dar und waren demensprechend wichtig für beide Lager. Auf Joe Biden lag der grosse Druck, nach Obamas Patzer letzte Woche wieder etwas Boden gut zu machen. Bidens Auftritt sollte Romney den Wind aus den Segeln nehmen. Für Paul Ryan andererseits stellte die Debatte der bis anhin wichtigste Event seiner Karriere dar. Für beide Kandidaten stand viel auf dem Spiel und es war klar, dass sich beide nichts schenken würden. In der Tat schreckten weder Biden noch Ryan davor zurück, einander über das Maul zu fahren oder sich gegenseitig zu unterbrechen.

Zwar wird den Vizepräsidentschaftsdebatten viel Aufmerksamkeit geschenkt, aber sie spielen klar in einer anderen Liga als die Duelle der Präsidentschaftskandidaten selbst. Strategisch gesehen geht es sowohl für Biden wie für Ryan nicht um sich selber, sondern darum, die jeweilige Nummer eins zu verteidigen.

Die allermeisten Wählerinnen und Wähler haben sich ihre Meinung gemacht. Es gibt nur noch ein paar wenige Prozent Unentschlossene. In einer solchen Situation ist es essentiell, die eigene Basis zu mobilisieren und sowohl Biden als auch Ryan haben diesbezüglich geliefert, was von ihnen erwartet wurde. Die republikanischen Wähler sind zufrieden, dass Ryan in Bereichen wie der Steuerpolitik ohne Entschuldigung klassisch konservative Positionen vertrat. Demokraten andererseits dürften sich gefreut haben, als der Vizepräsident Ryan für die Privatisierungspläne in der Gesundheitsversorgung angriff oder ihn wegen Romneys‘ 47%-Kommentar attackierte.