Analyse der ersten Debatte im U.S. Präsidentschaftswahlkampf: 1:0 für Romney





Ich teile die Einschätzung der ersten Umfrageresultate, der sogenannten instant polls, und der grossen Mehrheit aller Kommentatoren: Mitt Romney entschied die gestrige Debatte für sich.

In meinem letzten Blogeintrag habe ich darauf hingewiesen, dass Romney dringend die Dynamik des Rennens aufmischen muss und daher in der Debatte in die Offensive gehen sollte. Tatsächlich machte Romney einen äusserst wachen und bestens vorbereiteten Eindruck. Er debattierte engagiert und schien sich im Scheinwerferlicht des Podiums regelrecht wohlzufühlen. Präsident Obama hingegen wirke müde und abgekämpft. Diverse Themen, welche in den Wahlkampfreden und Fernsehspots sehr präsent sind, beispielsweise die Bemerkung von Romney über die 47% oder seine Vergangenheit als Investment-Banker, brachte Obama nicht zur Sprache. Wahrscheinlich deshalb, weil er Romney nicht die Gelegenheit zum direkten Kontern geben wollte.

Allerdings gilt es zu bemerken, dass diese Debatte für Obama zweifelsohne das insgesamt schwierigste der drei Aufeinandertreffen gewesen sein dürfte. Häufig profitiert der Herausforderer beim ersten Duell am meisten davon, mit dem Präsidenten auf Augenhöhe aufzutreten. Das nächste Duell der beiden Kandidaten am 16. Oktober findet im sogenannten „Town Hall“-Format statt, wo die Fragen aus dem Publikum kommen. Hier wird es Obama leichter fallen, mit seinen hohen persönlichen Sympathiewerten und seiner „Street Credibility“ zu punkten. Die letzte Debatte schliesslich am 22. Oktober wird sich dem Thema Aussenpolitik widmen. In diesem Bereich vertrauen die Wähler dem Präsidenten eher und sind von seiner Arbeit überzeugter als dies bei der Innenpolitik der Fall ist.  

Noch ist nicht entschieden wer am 6. November zum nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wird. Ich gehe davon aus, dass der Vorsprung von ein paar Prozentpunkten, welcher Obama bis jetzt hatte, während den nächsten Tagen schmelzen wird. Dann wird es wohl bis zum Wahltag ein knappes Rennen bleiben dürfen. Die Debatte von gestern ist mit 20 Millionen Tweets übrigens derjenige Event der U.S. Wahlkampfgeschichte, über welchen am meisten Tweets verschickt wurde.