“Don’t interrupt when your opponent self-destructs“





Das titelgebende Zitat des heutigen Blog-Eintrags wird Kaiser Napoleon zugeschrieben und verliert bis heute nicht an Gültigkeit: „Don’t interrupt when you opponent self-destructs“ ist zur zeitlosen Regel des politischen Campaignings geworden und berühmte Strategen wie James Carville orientieren sich noch immer an dieser Maxime.

Während Uneinigkeit normalerweise zum guten Ton der politischen Community gehört, sind sich interessierte Beobachter derzeit insbesondere in dieser Sache einig: Es läuft nicht besonders gut für Mitt Romneys Kampagne  – und zwar bereits seit einer ganzen Weile! Sei das Romneys unglückliche „Welttour“, seine  unangebrachten Äusserungen zu den Attacken auf die US-Botschaft in Libyen, der berüchtigte 47%-Kommentar oder die überraschende Veröffentlichung seiner Steuerdaten letztes Wochenende: Der republikanische Versuch, die Präsidentschaft im November zu gewinnen stand bisher unter einem unglücklichen Stern. 

In meinem Buch „How to overcome the power of incumbency in election campaigns“ zeige ich auf, welche Qualitäten ein Herausforderer benötigt, um einen Amtsinhaber wie Barack Obama zu besiegen: Nebst Popularität und Charisma muss er gut sprechen und debattieren können, er muss mit Massenmedien umgehen können und seinen Fokus immer auf seiner Message behalten. Schliesslich muss er auch als Manager überzeugen, da es im Wahlkampf oft chaotisch zu und her geht und es am Ende am Kandidaten liegt, Disziplin im eigenen Laden herzustellen. Es ist wohl kaum vermessen zu sagen, dass Romney bisher in keiner der oben genannten Eigenschaften brilliert hat.

Allerdings ist es nicht nur Romneys bisheriger Auftritt der zu wünschen übrig lässt. Auch die republikanische Partei und ihre Funktionäre tragen zur „Selbstzerstörung“ bei. Immer mehr prominente Republikaner distanzieren sich von Mitt Romney und zahlreiche Kandidaten für die Senatorenwahlen im Herbst werden immer nervöser. Beispielsweise teilte Thommy G. Thompson aus Wisconsin öffentlich im Fernsehen seine Befürchtungen über den negativen Einfluss Romneys auf seine Wahlchancen mit. Hingegen dürften republikanische Kandidaten für den Senat und das Repräsentantenhaus betreffend Fundraising profitieren, wenn es Mitt Romney nicht bald gelingt, das Steuer herumzureissen. Wenn das Rennen um das Weisse Haus nach den Debatten als gelaufen gilt, dürften sich republikanische Sponsoren nämlich nach erfolgversprechenderen Investitionen umschauen, beispielsweise die demokratische Mehrheit im Senat zu knacken. 

Wer jedoch nur darüber spricht was alles bei Mit Romney schief geht, der läuft in Gefahr, Präsident Obama aus den Augen zu verlieren. Haltet sich sein Team an die oben eingeführte Regel und verzichtet darauf, den Gegner in seiner „Selbstzerstörung“ zu unterbrechen? Dem scheint in der Tat so zu sein, wie die Reaktion von Obamas Team auf Romneys Libyen-Patzer ersichtlich macht. Dort äusserte sich Obama-Sprecher Ben LaBolt zu Romneys Statement in dem er stellvertretend für seine Kampagne bekannt gab: „We are shocked that, at a time when the United States of America is confronting the tragic death of one of our diplomatic officers in Libya, governor Romney would choose to launch a political attack“. Obama selbst verzichtete komplett auf einen Kommentar. Er hielt sich geschickt aus dem Streit heraus und vermochte so den Eindruck eines Staatsmannes und Landesvaters zu erwecken, der über solch niederen politischen Schlammschlachten steht. Obama und sein Team machen tatsächlich das Beste aus Romneys Schnitzer. Sie kommentieren jeweils kurz und scharf und lassen Romney dann die Suppe alleine auslöffeln. Sie achten auch penibel darauf, dass sich Obama nie die Finger schmutzig macht. Falls die Obama-Kampagne eine Gegenoffensive startet, so sind es immer Stellvertreter wie etwa Vize Präsident Joe Biden oder wichtige Mitarbeiter wie Ben LaBolt, Jim Messina oder David Axelrod, welche diese lancieren.

Romney mag von den Qualitäten seines Wahlkampfteams noch immer überzeugt sein. Ich bin es längst nicht mehr. Er hinkt in einem Rennen hinterher, das dem Herausforderer alle erdenklichen Vorteile bietet. Er muss die Dynamik seiner Kampagne verändern und zwar so schnell es geht. Ein republikanischer Stratege sagte kürzlich, dass es in jeder Präsidentschaftskampagne zehn wichtige Momente gibt. Ich würde sagen sieben dieser Momente sind nun vorbei. Romney bleiben noch drei.

Schweiz aktuell

Der Konflikt zwischen Prof. Christoph Mörgeli als Konservator des Medizinhistorischen Museums und der Universität Zürich hat sich in der letzten Woche massiv verschärft. Ich habe darüber am 20. September 2012 in der Sendung Schweiz aktuell Stellung bezogen.