Romney nominiert seinen Vizepräsidentschaftskandidaten: Schaden oder Nutzen für die Kampagne?

Die Sommerpause ist im Amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf definitiv vorbei. Mitt Romney, der republikanische Herausforderer von Präsident Barack Obama, hat seinen Vizepräsidentschaftskandidaten bekannt gegeben. Zur Freude des rechten Parteiflügels rund um die „Tea-Party“-Bewegung kam Paul Ryan zum Zug (siehe Bild). Persönlich halte ich die Wahl des 42jährigen Abgeordneten aus Wisconsin für einen strategisch schlechten Entscheid. Die Basis der Republikanischen Partei hegt zwar in der Tat Zweifel darüber, wie konservativ Mitt Romney im innersten seines Herzens tatsächlich ist. Ich gehe aber davon aus, dass sie im Herbst in Scharen zur Urne gehen wird und geschlossen für Romney stimmt, sei es nur um Barack Hussein Obama loszuwerden.

Hingegen wird die Nomination von Ryan für Mitt Romney bei entscheidenden Mittewählern zum Problem. Denn der Weg ins Weisse Haus führt für Romney zwingend über die weissen Wählerinnen und Wähler. Er muss rund 60% von ihnen für sich gewinnen, was mehr ist als jeder republikanische Kandidat seit Ronald Reagan. Dieses Ziel kann er nur erreichen, wenn er bei den Rentnerinnen und Rentner punktet, denn weisse Wähler heisst auch in den USA überwiegend alte Wähler. Paul Ryan’s Pläne für einen radikalen Um- beziehungsweise Abbau des Sozialstaates werden Romney diesbezüglich aber zum Problem. Anstatt die Nomination des Vizepräsidenten strategisch dazu zu nutzen, die Haupt-Botschaft des Kandidaten zu untermauern, verstärkt Ryan nun vor allem die Schwächen von Mitt Romney. In der Tat versuchen die Demokraten nämlich seit Monaten, Mitt Romney als kalten Kapitalisten darzustellen, welcher sich vor allem um die Reichen kümmert und die Mittelklasse weder versteht noch gross interessiert.