Schafft Barack Obama die Wiederwahl?

Das Rennen um die Amerikanische Präsidentschaft wird knapp. In der neusten Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Gallup liegt Barack Obama bei 48% und sein Republikanischer Herausforderer Mitt Romney bei 44%.

Wie ich in meinem neuen Buch über Wahlkämpfe von Herausforderern darlege, sind Wahlen mit einem bisherigen Präsidenten in erster Linie ein Referendum über den Amtsinhaber (mehr Infos über mein Buch finden Sie auf meiner Webseite: www.perroncampaigns.ch/book.php). In den Umfragen sind deshalb nicht die prognostizierten Wähleranteile wichtig, sondern wie viele Leute mit der Amtsführung des Präsidenten und der generellen Lage im Land zufrieden sind. Wenn man nun die entsprechenden Umfrageresultate betrachtet, deutet alles auf ein äusserst knappes Rennen hin.

Blickt man zurück, gibt es Präsidenten wie Bill Clinton oder Ronald Reagan, die Zustimmungsraten von weit über 60% hatten und die problemlos wiedergewählt wurden. Auf der anderen Seite gab es Präsidenten wie Jimmy Carter oder George H. W. Bush, deren approval ratings bei ungefähr 30% lagen und die an der Wiederwahl scheiterten. George W. Bush lag bei seiner zweiten Wahl 2004 genau dazwischen, die Zustimmung zu seiner Amtsführung lag bei knapp 50% und es kam zum engsten Wahlresultat aller Zeiten. Ironischerweise steht Barack Obama nun vor einer sehr ähnlichen Ausgangslage wie damals George W. Bush. Am Anfang seiner Präsidentschaft hatte Barack Obama Zustimmungsraten von über 60%. Heute ist das amerikanische Stimmvolk genau in zwei Teile gespalten. Gemäss dem Durchschnitt aller Umfragen, ermittelt durch die Webseite Realclearpolitics, sind heute 49% mit der Amtsführung des Präsidenten zufrieden, während dem 48% unzufrieden sind. Zudem herrscht im Land generell ein tiefer Pessimismus. Die Arbeitslosigkeit stagniert auf hohen 8% und 60% der Befragten sind der Ansicht, das Land entwickle sich in die falsche Richtung.

Nun hat sich aber auch die Republikanische Partei während der letzten Jahre durch das aggressive Bekämpfen des Präsidenten in eine ideologische Ecke manövriert. Während der letzten Monate des Vorwahlkampfes musste Mitt Romney die republikanische Basis davon überzeugen, dass er ein richtiger Konservativer sei. So hat er bei diversen Themen wie beispielsweise der Immigration oder Abtreibung seine Positionen gegen rechts korrigiert. Damit haben aber nun im Wahlkampf gegen Obama die unentschlossenen Segmente des Elektorates Mühe, so etwa wirtschaftlich erfolgreiche Hispanics, verheiratete, weisse Frauen und parteiungebundene Wähler. Bevor Romney in die Politik eingestiegen ist, hat er als Banker durch den Kauf und Verkauf von Firmen viel Geld verdient. Heute wird sein Vermögen auf mehrere hundert Millionen Dollar geschätzt. Aufgrund des Versteckspiels um seine Steuererklärung und einigen ungeschickten Aussagen fragen sich immer mehr Wähler, ob er die Sorgen und Nöte normaler Menschen überhaupt verstehe. Zudem wirkt der praktizierende Mormone im Wahlkampf häufig etwas hölzern und distanziert.

Barack Obama und die Demokraten werden all diese Schwächen gnadenlos ausnutzen. In einer Umfrage des Fernsehsenders FOX News haben 45% der Befragten eine eher negative Meinung über Mitt Romney, während nur 42% eine positive Meinung haben. Einer der grossen Vorteile eines Herausforderers gegenüber einem Amtsinhaber ist es, dass der Herausforderer kritisieren und angreifen kann. Der Amtsinhaber hingegen muss den Status Quo verteidigen. Das durchzogene Rating von Mitt Romney ist aber eine schlechte Ausgangslage zum Angreifen. Zudem wird die Kampagne von Barack Obama alles daran setzen, dass der Anteil der Befragten, welche eine negative Meinung über Mitt Romney hat, wächst. Es ist die einzige Strategie, welche verletzbare bisherige Präsidenten haben: egal wie schlecht die Wirtschaft läuft, egal wie hoch die Arbeitslosigkeit ist, es wird alles nur noch schlimmer, wenn eine neue Regierung das Ruder übernimmt.