François Hollande ist neuer Präsident von Frankreich!

Es hat keine Überraschung gegeben: François Hollande ist neuer Präsident von Frankreich. Wie ich in meinem Buch über Wahlkämpfe (How to Overcome the Power of Incumency in Election Campains) schreibe, sind Wahlen mit einem Amtsinhaber in erster Linie ein Referendum über den Amtsinhaber. So war es auch in Frankreich. Eine Mehrheit der Wähler ist mit der Wirtschaftlage und dem Gang der Dinge im Land nicht zufrieden. Ergo haben sie sich für die Opposition entschieden.

Nicholas Sarkozy hat die Wahlen aber nicht im Wahlkampf der letzten Monate verloren, sondern während seiner Amtszeit. Und dies, obwohl er als Präsident fast unmögliches erreicht hat: eine Rentenreform, eine Flexibilisierung der 35-Stunden-Woche sowie eine Reform der Universitäten. Hingegen hat er es verpasst, seine Bilanz während der letzten Jahre zu verteidigen. Im Wahlkampf hat er dann zwar aufgeholt, aber es war zu spät.

Die einzige Strategie, welche ein verletzbarer Amtsinhaber hat, ist es, seinen Herausforderer zu definieren, bevor er sich selbst definieren kann. In einer solchen Situation muss man den Herausforderer attackieren und zerstören. Egal wie schlimm die Wirtschaftslage, egal wie schlecht es läuft im Land, es wird alles nur noch schlimmer, wenn die Opposition das Ruder übernimmt. Zahlreiche verletztbare Amtsinhaber haben mit dieser Strategie überlebt: Helmut Kohl 1994 in Deutschland, George W. Bush 2004 in den USA, John Major 1992 in Grossbritannien. Nicholas Sarkozy hingegen hat seinen Herausforderer wohl zu lange Zeit unterschätzt.