Kanton Bern: Adrian Amstutz (SVP) abgewählt, Hans Stöckli (SP) neu im Ständerat

Die Ständeratswahlen im Kanton Bern waren bis zum Schluss spannend. Adrian Amstutz von der SVP wurde nach nur wenigen Monaten im Ständerat abgewählt. Hans Stöckli, der ehemalige Stadtpräsident von Biel erobert den Sitz von Simonetta Sommaruga für die SP zurück. Der Bisherige Werner Luginbühl von der BDP wurde klar bestätigt.


Adrian Amstutz wurde im März dank einem Zufallsresultat in den Ständerat gewählt. Insofern ist seine Abwahl gestern nur bedingt eine Überraschung. Im Parlament politisierte er seit jeher stramm auf Zürcher Parteilinie. Sein Mandat nutzte er unter anderem dazu, für die Lastwagenbranche zu lobbyieren. Wer auf der Webseite des Parlamentes nachschaut, findet fast ein Dutzend Vorstösse, welche wenig mit dem Kanton Bern zu tun haben, sondern vor allem die Lastwagenbranche interessieren. Vom Profil her passt er also eigentlich nicht in die chambre de réflexion.

Für die SVP ist die Abwahl ein herber Schlag. Der gross angekündigte Sturm auf’s Stöckli endet als Sturm im Wasserglas. So wie diverse Politologen vorausgesagt haben, droht der SVP, am Schluss sogar weniger Vertreter im Stöckli zu haben. Falls Toni Brunner in St. Gallen die Wahl (notabene vor allem Dank dem Verzicht von Eugen David) schaffen sollte, ist die Partei wieder gleich weit wie vor der Abwahl von Adrian Amstutz: sie hat einen Hardliner im Ständerat.

Der Gewinner des Tages ist Hans Stöckli. Der ehemalige Stadtpräsident von Biel hat sich vor allem als Macher präsentiert. Er kommt vom Habitus her auch moderat herüber und nicht wie ein ideologischer Sozialist. Im Wahlkampf sind ihm zudem ein paar clevere Schachzüge gelungen. Unterstützungskomitees sorgen normalerweise für wenig Aufmerksamkeit. Ein Teilnehmer einer meiner Fokusgruppen meinte diesbezüglich einmal, die Liste der Namen sei „einfach noch der Abspann, wie im Kino“. Nicht so bei Hans Stöckli und seinem Wirtschaftskomitee. Die Tatsache, dass diverse prominente Personen aus der Wirtschaft einen Sozi unterstützten, wurde von den Medien aufgenommen. Genau solche Aktionen muss man in einem Ständeratswahlkampf machen.

Für rot-grüne Kandidaten spielt die Musik im Kanton Bern vor allem im Grossraum der Stadt Bern. Obwohl Stöckli nicht von dort kommt, ist es ihm dank einem engagierten Wahlkampf gelungen, das Glanzresultat von Ursula Wyss im Frühling sogar noch zu übertreffen. Gestern hat er Adrian Amstutz im Wahlkreis Bern Mittelland um rund 30‘000 Stimmen hinter sich gelassen. Die haarscharfe Niederlage im März von Ursula Wyss war bei vielen urbanen Wählern noch nicht vergessen und hat sicher einen mobilisierenden Effekt gehabt.

Fairerweise muss man aber auch sagen, dass der Sieg von Hans Stöckli ohne die Gespaltenheit des bürgerlichen Lagers wohl nicht möglich gewesen wäre. Die Wahlempfehlung der SVP für den BDP-Kandidaten war etwas gar durchsichtig. Immerhin wurde Eveline Widmer Schlumpf aus der SVP herausgeworfen, was ja erst zur Gründung der BDP geführt hatte. Die Tatsache, dass Amstutz nach dem ersten Wahlgang noch vorne lag, deutet für mich auch darauf hin, dass viele Mittewähler strategisch gewählt haben und beide Linien benutzt haben – wohl vor allem um Amstutz zu verhindern.

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