Die Ära Blocher ist vorbei

Die SVP hat es bei Majorzwahlen traditionell schwierig. Insofern ist die Niederlage von Christoph Blocher bei den Ständeratswahlen im Kanton Zürich keine Überraschung. Blocher hat ja bereits 1987 verloren, wie auch Ueli Maurer 2007, Toni Bortoluzzi 1995 und Werner Vetterli 1991.


Das Ausmass der Niederlage ist aber bemerkenswert. Blocher blieb rund 25‘000 Stimmen hinter seinem Resultat von 1987 (obwohl der Kanton Zürich damals ja noch weniger Stimmberechtige zählte) und fast 50‘000 Stimmen hinter dem Resultat von Ueli Maurer vor vier Jahren. Insofern ist der Wahlsonntag von gestern bemerkenswert. Immerhin ist Christoph Blocher vom Handwerk her ein für die Schweiz herausragendes Polittalent. Er hat die Schweizer Politik und die SVP geprägt wie kein Anderer.

„Geheimsache SVP“ ist ein lesenswertes Buch, welches in den Medien wenig Aufmerksamkeit erhalten hat. Verfasst wurde es von einem gewissen „Sandro Stark“. Der Autor schreibt unter einem Pseudonym. Er wollte seine wahre Identität leider nicht preisgeben (lieber Sandro Stark, falls Sie diesen Blog lesen, melden Sie sich bitte bei mir!).

Das Buch wurde kurz nach der Abwahl von Christoph Blocher aus dem Bundesrat verfasst. Im letzten Kapitel spekuliert der Autor, was mit der SVP nach der Ära Blocher passieren wird. Dabei prognostiziert Stark, dass eine Gruppe von Provinzpolitikern aus der zweiten und dritten Reihe zurück bleiben wird. Diese werden bald einmal merken, dass die SVP in der Ära nach Blocher nicht mehr die gleiche Faszination hat wie vorher. Sie werden sich gegenseitig blockieren, vielleicht sogar gegenseitig bekämpfen, spekuliert Stark.

Ich denke, damit trifft Stark den Nagel auf den Kopf. Bis jetzt konnte man in der SVP schnell Karriere machen. Dank dem Erfolg der Partei schwemmte es in der SVP tatsächlich Leute aus der zweiten und dritten Reihe ins nationale Parlament. Christoph Blocher hatte das Charisma und die Dominanz, die Partei zusammen zu halten. Die SVP unter Blocher war das, was die radikale Linke während den 70er Jahren sein wollte: eine regelrechte Kaderpartei.

Die Serie von Niederlagen wird die Dynamik parteiintern nun aber schlagartig ändern. Es ist einfach, eine Partei zu führen, wenn es immer aufwärts geht, es immer mehr zu verteilen gibt und die anderen immer die Verlierer sind. Sobald man selber verliert, ändert sich alles. Auf einmal wissen es parteiintern alle besser.

In der SVP wird möglicherweise bald ein Richtungsstreit entbrennen zwischen Hardlinern und Moderaten. Die Bundesratswahlen und die Diskussion um den richtigen Kandidaten sind diesbezüglich der erste Akt. Mehr in diesem Stil wird wahrscheinlich folgen.

PS: noch etwas hat sich an diesem Wahlsonntag einmal mehr bestätigt. Die Hochrechnungen des statistischen Amtes Kanton Zürich sind einiges zuverlässiger als die Hochrechnungen der SRG.

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