Der flaue Wahlkampf: die SVP kommt nicht auf Touren

Es ist Wahlkampf und niemand schaut hin. In der Tat ist der diesjährige Wahlkampf so flau wie keiner seit 1991. Dies hat vor allem damit zu tun, dass die SVP dieses Jahr irgendwie nicht auf Touren kommt. Schliesslich war es die SVP, welche 2007, 2003 und 1999 Wahlkampf gemacht hat. Die anderen Parteien in der Schweiz können das sowieso nicht.

Jeden Tag warte ich auf die grosse Bombe, und sie will und will einfach nicht kommen. Mittlerweile gehe ich davon aus, dass sie wohl auch nicht mehr kommen wird.

Das Thema Masseneinwanderung ist aus Sicht der SVP strategisch an sich nicht schlecht. Vor allem bei den potentiellen SVP-Wählern ist ein Thema, welches mit Ausländern zu tun hat, immer gut. Aber es gibt Nuancen. Das Thema trifft die politische Nachfrage weniger präzis als etwa die Minarett-Initiative oder die Ausschaffungs-Initiative. Bei diesen beiden Themen hatte die SVP jeweils den Nagel voll auf den Kopf getroffen. Die Einwanderung ist sicher ein Thema in Zürich, im Tessin und in Genf. Die SVP-Initiative ist wohl auch als Reaktion auf magere Wahlresultate in den beiden letztgenannten Kantonen zu verstehen. Im Rest der Schweiz allerdings ist die Masseneinwanderung weniger ein Thema, welches breiten Bevölkerungskreisen unter den Nägeln brennt.

Auch die graphische Aufmachung der Kampagne ist schlechter als vor vier Jahren. Gute Kampagnen sind nie eine Wiederholung anderer guter Kampagnen. Entsprechend verpufft ein grosser Teil der SVP-Walze im bezahlten Raum.

Einer der Gründe, welcher bis jetzt wenig Beachtung erhielt, ist Christoph Blocher. Der Übervater der SVP spielt im diesjährigen Wahlkampf, zumindest gegen Aussen, zum ersten Mal seit 1991 eine Nebenrolle. Und diese spielt er erst noch schlecht. Der Ständeratswahlkampf macht kaum Schlagzeilen. Ich sehe wenig von einem Zugeffekt der Ständeratskandidatur für die Nationalratswahlen. Die Werbung kommt lau und zahm daher, als müsste man die Person Blocher bekannt machen. Dabei gibt es doch keinen einzigen Wähler mehr im Kanton Zürich, welcher seine Meinung zur Person Blocher noch nicht gemacht hat.

Nun will ich mit all dem nicht sagen, dass die SVP verlieren wird. Es ist nach wie vor die einzige Partei der Schweiz, welche kämpfen kann. Aus heutiger Sicht ist alles möglich: von einem ganz leichten Zugewinn von weniger als einem Prozent bis zu einem Verlust von zwei Prozent.

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