Analyse, Bilanz und Lehren

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Die teuersten National- und Ständeratswahlen aller Zeiten sind vorbei. Wer ab und zu auf diesem Blog vorbeigeschaut hat, ist vom Resultat nicht völlig überrascht. So habe ich vor nicht langer Zeit darüber geschrieben, dass die SVP dieses Jahr nie richtig auf Touren gekommen ist.

Am Wahltag bin ich sowohl dem Tages-Anzeiger online wie auch 20 Minuten online Red und Antwort gestanden. Hier die Links zu den Interviews:

http://www.tagesanzeiger.ch/wahlen2011/standard/Seit-Genner-in-Zuerich-Parkplaetze-zaehlt-/story/26799838

http://www.20min.ch/myvote/hintergrund/story/16842652

Get out the vote: Was man jetzt noch tun kann!

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In der Schweiz ist die Meinung weit verbreitet, dass eine Kampagne nach dem Produzieren des Werbematerials und dem Reservieren der Plakatstellen vorbei ist. Das Gegenteil ist aber der Fall. Die Wahlanalysen von gfs.bern zur Nationalratswahl 2007 haben gezeigt, dass mittlerweile rund die Hälfte der Wählenden den definitiven Entscheid während den letzten Wochen fällen. Es passiert während dem Schlussspurt also noch einiges.

Alle Parteien und Politiker sprechen zwar von der Notwendigkeit der Mobilisierung, wenig wissen dann aber genau, wie Mobilisierung eigentlich funktioniert. Diesbezüglich können wir einiges von den USA lernen. Unter dem Namen "get out the vote" ist die Schlussmobilisierung dort eine ganz intensive Sache.

Mobilisierung ist vor allem im Gegensatz zum Ueberzeugen zu verstehen. Mobilisierung verwendet andere Instrumente und richtet sich nicht an Unentschlossene, sondern an die eigenen potentiellen Wähler. Ich bin kürzlich in einem Interview mit 20 Minuten online dem Schlagwort Schlussspurt im Wahlkampf auf die Spur gegangen. Hier der Link zum Interview:

http://www.20min.ch/myvote/news/story/23173816

Der flaue Wahlkampf: die SVP kommt nicht auf Touren

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Es ist Wahlkampf und niemand schaut hin. In der Tat ist der diesjährige Wahlkampf so flau wie keiner seit 1991. Dies hat vor allem damit zu tun, dass die SVP dieses Jahr irgendwie nicht auf Touren kommt. Schliesslich war es die SVP, welche 2007, 2003 und 1999 Wahlkampf gemacht hat. Die anderen Parteien in der Schweiz können das sowieso nicht.

Jeden Tag warte ich auf die grosse Bombe, und sie will und will einfach nicht kommen. Mittlerweile gehe ich davon aus, dass sie wohl auch nicht mehr kommen wird.

Das Thema Masseneinwanderung ist aus Sicht der SVP strategisch an sich nicht schlecht. Vor allem bei den potentiellen SVP-Wählern ist ein Thema, welches mit Ausländern zu tun hat, immer gut. Aber es gibt Nuancen. Das Thema trifft die politische Nachfrage weniger präzis als etwa die Minarett-Initiative oder die Ausschaffungs-Initiative. Bei diesen beiden Themen hatte die SVP jeweils den Nagel voll auf den Kopf getroffen. Die Einwanderung ist sicher ein Thema in Zürich, im Tessin und in Genf. Die SVP-Initiative ist wohl auch als Reaktion auf magere Wahlresultate in den beiden letztgenannten Kantonen zu verstehen. Im Rest der Schweiz allerdings ist die Masseneinwanderung weniger ein Thema, welches breiten Bevölkerungskreisen unter den Nägeln brennt.

Auch die graphische Aufmachung der Kampagne ist schlechter als vor vier Jahren. Gute Kampagnen sind nie eine Wiederholung anderer guter Kampagnen. Entsprechend verpufft ein grosser Teil der SVP-Walze im bezahlten Raum.

Einer der Gründe, welcher bis jetzt wenig Beachtung erhielt, ist Christoph Blocher. Der Übervater der SVP spielt im diesjährigen Wahlkampf, zumindest gegen Aussen, zum ersten Mal seit 1991 eine Nebenrolle. Und diese spielt er erst noch schlecht. Der Ständeratswahlkampf macht kaum Schlagzeilen. Ich sehe wenig von einem Zugeffekt der Ständeratskandidatur für die Nationalratswahlen. Die Werbung kommt lau und zahm daher, als müsste man die Person Blocher bekannt machen. Dabei gibt es doch keinen einzigen Wähler mehr im Kanton Zürich, welcher seine Meinung zur Person Blocher noch nicht gemacht hat.

Nun will ich mit all dem nicht sagen, dass die SVP verlieren wird. Es ist nach wie vor die einzige Partei der Schweiz, welche kämpfen kann. Aus heutiger Sicht ist alles möglich: von einem ganz leichten Zugewinn von weniger als einem Prozent bis zu einem Verlust von zwei Prozent.