Die heisse Phase: Mobilisierung im Wahlkampf

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„Die heisse Phase“ ist ein Begriff, welcher Journalisten und Politiker diese Tage häufig in den Mund nehmen. Mit heiss oder kalt hat es eigentlich wenig zu tun. Was Politiker meinen, ist, dass es jetzt um die Wurst geht und dass der Schlussspurt begonnen hat.

In diesem Zusammenhang sind die Zahlen der Schweizer Wahlstudie SELECTS, verfasst von Georg Lutz im Jahr 2008, interessant. Mit Hilfe einer Umfrage hat SELECTS nach den Wahlen 2007 die Potentiale der verschiedenen Parteien eruiert. Es geht dabei darum, wie viele Leute sich vorstellen könnten, eine Partei zu wählen, oder dies zumindest nicht ausschliessen. Dabei gibt es per Definition der Dinge zahlreiche Überschneidungen. Die meisten Wählerinnen und Wähler können sich ja vorstellen, mehr als eine Partei zu wählen. Interessant ist dabei: die Potentiale der grossen Parteien sind vergleichbar. Das maximale Potential der SVP liegt gemäss SELECTS bei 38%, dasjenige von FDP, CVP und SP bei je 40% und dasjenige der Grünen bei 43%.

Der grosse Unterschied besteht darin, dass die Parteien ihre Potentiale unterschiedlich ausschöpfen. Während dem die SVP zwei Drittel ihrer potentiellen Wähler an die Urne bringt, lassen die anderen Parteien einen grossen Teil ihres Potentials auf dem Tisch liegen. Die sogenannte Ausschöpungsquote liegt bei der SVP bei 67%, bei der SP immerhin noch bei 42% und bei den Mitteparteien FDP und CVP noch bei mageren 29%.

Genau darum geht es im Schlussspurt, um die Ausschöpfung des eigenen Potentials. Wenn man die Effizienz eines Wahlkampf-Schlussspurtes wissenschaftlich messen müsste, dann wäre es eben genau diese Ausschöpfungsquote. Je höher die Ausschöpfungsquote, desto effizienter der Schlussspurt. Je tiefer diese Ausschöpfungsquote, desto schlechter der Wahlkampf einer Partei. Aus den Zahlen wird ersichtlich, was ich meine, wenn ich sage, dass die SVP die einzige Partei des Landes ist, welche wirklich kämpfen kann.

Gleichzeit werden aber auch die Grenzen der sogenannt heissen Phase klar. Das Potential wird während der dreienhalb Jahre vor einer Wahl kreiert. Das kann man anderthalb Monate vor der Wahl nicht mehr beeinflussen. Eine Partei kann nur noch versuchen, möglichst viel des Potentials an die Urne zu bringen.