Plakate im Schweizer Wahlkampf: Mut zur politischen Aussage!

Die Sommerpause ist vorbei. Bald beginnt, was viele Politiker „die heisse Phase“ des Wahlkampfes nennen. Dazu gehören auch die Plakate. Schade nur, dass es in der Schweiz immer noch weit verbreitet ist, auf den Plakaten auf politische Aussagen zu verzichten. In der Tat: die allermeisten Plakate bestehen aus einem lächelnden Kopf und einem inhaltslosen Spruch. „Ein starkes Duo“, „frischer Wind“, „Gut für Bern“ und ähnliche Sprüche sind zu lesen. Ron Faucheux, Buchautor und mein ehemaliger Professor an der Graduate School of Political Management in Washington D.C., würde es „bullshit rhetoric“ nennen. Genau das ist es auch. Mir ist es schleierhaft, wie politische Menschen fünfstellige Beträge ausgeben können, ohne den Anspruch zu haben, auch etwas Inhaltliches zu kommunizieren.

Es hat wohl viel mit dem Einfluss von politisch unerfahrenen Werbebüros zu tun. Denn es gibt wichtige Unterschiede zwischen der politischen Werbung und derjenigen für Produkte. An Wahlkampfsitzungen und Planungsklausuren höre ich oft Ratschläge wie Kandidaten müssten „einfach mal etwas anderes machen“, „einmal einen Gag wagen“ oder „Hauptsache auffallen und man sieht den Kopf“. Falsch! Diejenige Minderheit welche wählen geht, tut dies, um ein politisches Statement zu machen.

Die Gewinner-Parteien machen es vor. SVP, BDP, Grüne und GLP stehen für eine klare Message, Thema, Idee oder Brand. Ganz egal wie man es nennen will, die Leute wählen diese Parteien, weil sie das Gefühl haben, das Angebot entspräche ihrer politischen Nachfrage. Aus dem Wahlkampf 2007 habe ich zwei Plakate in Erinnerung, welche etwas bewirkt haben: das Schöfli der SVP und das schmelzende Glacé der Grünen. Der Rest war Geldverschwendung.

Das Plakat der SP Kanton Zürich für Ständeratskandidat Thomas Hardegger geht für mich noch eine Stufe weiter als inhaltsloser Blödsinn. Warum etwas sagen, was offensichtlich nicht stimmt? Jede Kandidatur hat Stärken und Schwächen. Das ist normal. Erfahrung und Bereitschaft sind im Vergleich zu den anderen Kandidaten sicher keine Stärken der Kandidatur Hardegger, immerhin tritt er gegen drei nationale Schwergewichte an. Warum es also zum Thema machen? Es ist das Gleiche, als würde Perron Campaigns Haarwachsmittel verkaufen.

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