Filippos Politarena: Kritik, Einschätzung und Analyse

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Gestern Abend strahlte Sat1 Schweiz die erste Folge von Filippos Politarena aus. Nun, es ist schon etwas komisch, Filippo Leutenegger, welcher ja aktiver Nationalrat für die FDP aus dem Kanton Zürich ist, wieder als Moderator einer Politdiskussionssendung zu sehen. So interviewte er zum Beispiel mit Fulvio Pelli seinen eigenen Parteipräsidenten und mit Hanspeter Portmann einen Konkurrenten auf der FDP-Liste im Kanton Zürich. In Fairness zu Leutenegger muss man aber sagen, dass er bis auf die Sequenz mit dem Juso-Präsidenten souverän und objektiv agierte. Die Sendung bringt Filippo Leutenegger sicher gute Medienpräsenz. Allerdings illustriert die Tatsache, dass Leutenegger wieder in die Rolle des Moderators schlüpft auch, dass er in Bundesbern nach wie vor nicht zu den Schwergewichten gehört.

Das Schweizer Fernsehen DRS beherrscht den Markt derart, dass etwas Konkurrenz durchaus positiv ist. Allerdings ist Filippos Politarena vor allem eine Kopie der alten Arena aus den 90er Jahren. Der zweiminütige Teil, als via Email gestellte Fragen von Zuschauern beantwortet wurden, war etwas gar halbherzig. Vom Konzept her hätte man also durchaus etwas innovativer sein können. Wer ab und zu deutsche, französische oder amerikanische Diskussionssendungen schaut, hat Inspiration zu genüge.

Filippos Politarena wartete mit grossem Starpower auf. Christoph Blocher und Fulvio Pelli sind Leute aus der ersten Reihe, Pirmin Bischof und Hildegard Fässler zumindest Namen, welche auch ein breites Publikum kennt. Von daher hat die Sendung die erste Feuertaufe bestanden. Die Politiker scheinen die Sendung ernst zu nehmen und zu akzeptieren. Die nächste Probe ist, ob auch die Zuschauer einschalten werden.

Das Thema des starken Frankens ist relativ technisch. Ich sehe keine Partei, welche daraus klaren Nutzen ziehen kann. Insofern gab es gestern Abend unter den Gästen keinen klaren Sieger. Würde man nur die Teilnehmer der ersten Runde anschauen, wäre Blocher wohl ein Sieger nach Punkten. Die Sozis und Jusos aus der zweiten Reihe zerstörten ihm diesen Sieg aber erfolgreich. Also meiner Meinung nach endete die Sendung mit einem Unentschieden.

Plakate im Schweizer Wahlkampf: Mut zur politischen Aussage!

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Die Sommerpause ist vorbei. Bald beginnt, was viele Politiker „die heisse Phase“ des Wahlkampfes nennen. Dazu gehören auch die Plakate. Schade nur, dass es in der Schweiz immer noch weit verbreitet ist, auf den Plakaten auf politische Aussagen zu verzichten. In der Tat: die allermeisten Plakate bestehen aus einem lächelnden Kopf und einem inhaltslosen Spruch. „Ein starkes Duo“, „frischer Wind“, „Gut für Bern“ und ähnliche Sprüche sind zu lesen. Ron Faucheux, Buchautor und mein ehemaliger Professor an der Graduate School of Political Management in Washington D.C., würde es „bullshit rhetoric“ nennen. Genau das ist es auch. Mir ist es schleierhaft, wie politische Menschen fünfstellige Beträge ausgeben können, ohne den Anspruch zu haben, auch etwas Inhaltliches zu kommunizieren.

Es hat wohl viel mit dem Einfluss von politisch unerfahrenen Werbebüros zu tun. Denn es gibt wichtige Unterschiede zwischen der politischen Werbung und derjenigen für Produkte. An Wahlkampfsitzungen und Planungsklausuren höre ich oft Ratschläge wie Kandidaten müssten „einfach mal etwas anderes machen“, „einmal einen Gag wagen“ oder „Hauptsache auffallen und man sieht den Kopf“. Falsch! Diejenige Minderheit welche wählen geht, tut dies, um ein politisches Statement zu machen.

Die Gewinner-Parteien machen es vor. SVP, BDP, Grüne und GLP stehen für eine klare Message, Thema, Idee oder Brand. Ganz egal wie man es nennen will, die Leute wählen diese Parteien, weil sie das Gefühl haben, das Angebot entspräche ihrer politischen Nachfrage. Aus dem Wahlkampf 2007 habe ich zwei Plakate in Erinnerung, welche etwas bewirkt haben: das Schöfli der SVP und das schmelzende Glacé der Grünen. Der Rest war Geldverschwendung.

Das Plakat der SP Kanton Zürich für Ständeratskandidat Thomas Hardegger geht für mich noch eine Stufe weiter als inhaltsloser Blödsinn. Warum etwas sagen, was offensichtlich nicht stimmt? Jede Kandidatur hat Stärken und Schwächen. Das ist normal. Erfahrung und Bereitschaft sind im Vergleich zu den anderen Kandidaten sicher keine Stärken der Kandidatur Hardegger, immerhin tritt er gegen drei nationale Schwergewichte an. Warum es also zum Thema machen? Es ist das Gleiche, als würde Perron Campaigns Haarwachsmittel verkaufen.