Die Bedeutung von Facebook und Social Media für den Schweizer Wahlkampf

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In letzter Zeit haben mich viele Politiker gefragt, ob sie auf Facebook ein Profil erstellen sollen. Das Thema beschäftigt im Wahlkampf nicht nur die Medien, sondern vor allem auch die Politiker selber.

Grundsätzlich wird die Bedeutung von Social Media und dem Internet allgemein für den Wahlkampf überschätzt. Die Schweiz ist nicht Amerika. Die Webseiten von Kandidaten haben meistens wenig Verkehr. Sie ersetzen eine aktive Medienarbeit sowie Engagement bei politischen Verbänden und Bewegungen bei weitem nicht.

Trotzdem sollte das Instrument genutzt werden. Der demographische Trend ist klar. Es wird in Zukunft wichtiger werden. Facebook bringt einem Kandidaten im Wahlkampf etwas, wenn er oder sie es selber aufgebaut hat, betreut, bewirtschaftet und lebt. Wer einfach ein paar Profile eröffnet oder die Sache an einen Mitarbeiter outsourct, hat wenig konkreten Nutzen.

Facebook erlaubt es, systematischer und im grösseren Stil mit den eigenen Unterstützern zu kommunizieren. Lukas Reimann von der SVP St. Gallen macht einiges in diese Richtung. Auch Claude Grosjean, Grünliberaler Stadtrat von Bern, wurde wohl vor allem dank seines aktiven Wahlkampfes auf Facebook gewählt. Das interessante an Social Media ist, dass es eben eine echte Interaktion erlaubt. So sollte man das Instrument auch nutzen, denn die Generation 2.0 will sich ausdrücken und einbringen. Die Mitmacharena der FDP Deutschland ist diesbezüglich auch ein sehr gutes Beispiel.

Analyse und Interpretation zum Wahlbarometer von SRG SSR

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Die vierte Welle des Wahlbarometers von SRG SSR, durchgeführt von gfs.bern, wurde heute publiziert. Bereits vor Ablauf der Sperrfrist um 17.00 Uhr riefen die ersten Journalisten an, um die Resultate zu analysieren.

Nun, bei Umfragen ist immer eine gewisse Vorsicht geboten. Dies nicht, weil sie per se unwissenschaftlich oder falsch wären. Methodologisch korrekt durchgeführte Umfragen sind ein wertvolles Instrument. Allerdings sind Umfragen keine Vorhersagen sondern immer nur Momentaufnahmen. Zudem sind bei Umfragen auch Fehlerquote und Toleranzbereich zu beachten. Schliesslich kommt es auch darauf an, wie man die Resultate interpretiert.

Vor kurzem hat ja auch Isopublic eine Umfrage zu den Wahlen publiziert. Beide zeichnen in wichtigen Teilen ein ähnliches Bild, welches intuitiv auch durchaus Sinn macht. Demnach verliert die FDP geradezu dramatisch (-3.5% bei Isopublic, -2.7% beim gfs.bern). Die FDP ist wahrscheinlich weltweit diejenige Partei, welche am längsten in einem demokratischen Land an der Macht ist. Dementsprechend verbraucht und ausgelaugt wirkt die Partei. Wie ich früher auf diesem Blog geschrieben habe: aus heutiger Sicht fragt sich, ob die FDP im Herbst einfach verliert oder ob es einen regelrechten Tsunami geben wird.

Auch die CVP verliert (-1.4% bei Isopublic, -1.1% bei gfs.bern). Die Konkurrenz in der Mitte macht der Partei zu schaffen.

2007 hat die SP auf einen Schlag alles verloren, was sie während den 90er Jahren an Wähleranteilen mühsam dazugewonnen hat und landete bei brutalen 19.5%. Wenn heute Wahlen wären, würde sie noch einmal verlieren. Gemäss gfs.bern würde sie bei 18.9% landen, gemäss Isopublic bei 18.6%. Der Grund ist einfach: Die Partei setzt auf die falsche Strategie.

Die Gewinner wären heute die GLP und die BDP. Gemäss gfs.bern würde die GLP heute 5.2% erreichen und die BDP 3%. Wie ich im letzten Eintrag geschrieben habe, wird der Wahlkampf für beide Parteien einfach werden. Die wirklichen Herausforderungen beginnen für beide erst nach den Wahlen.

Am stärksten unterscheiden sich die beiden Umfragen beim Resultat der SVP. In der Umfrage von Isopublic kann sich die SVP fast auf dem Rekordresultat von 2007 halten. In derjenigen von gfs.bern verliert sie deutlich (-1.4%). Ein Grund dafür ist sicher die Erhebungsperiode, welche ja nicht identisch ist. Zudem führen unterschiedliche Methodologien zu unterschiedlichen Resultaten. Das ist nichts Neues. Die Ausgangslage ist für die SVP momentan sicher nicht einfach. Fukushima und Umwelt allgemein sind nicht Themen, bei denen sie punkten kann. Aber die SVP ist die einzige Partei der Schweiz, welche wirklich kämpfen kann. Von da her traue ich ihr aus heutiger Sicht zu, nahe an das Resultat von 2007 heranzukommen.

Gemäss gfs.bern kann die Grüne Partei leicht zulegen auf 10% (+0.4%). Das Resultat bei Isopublic ist diesbezüglich fast identisch 9.9% (+0.3%). Die Grünen schneiden am Wahltag aber traditionell immer schlechter ab als in Umfragen. Diesbezüglich können die Grünen mit diesem Resultat alles andere als zufrieden sein.