Analyse und Interpretation der Isopublic Umfrage zu den eidgenössischen Wahlen

Die Schweiz ist ja leider in Sachen politischer Meinungsforschung für Wahlen ein Entwicklungsland. Wir müssen also mit dem arbeiten, was wir haben.

Letzten Sonntag hat die SonntagsZeitung die letzte Umfrage zu den eidgenössischen Wahlen publiziert. Sie wurde vom Meinungsforschungsinstitut Isoublic durchgeführt. Was bedeuten die Resultate für die einzelnen Parteien?


Wenn heute Wahlen wären, würde die SVP gemäss der Umfrage mit 28.7% fast ihr Spitzenresultat von 2007 (29.0%) erreichen. Die Verluste bei den Wahlen in Genf und im Tessin an das Mouvement de Citoyens respektive die Lega dei Ticinesi machen der Partei zu schaffen. Das AKW-Thema ist nicht das Kerngebiet der SVP. Trotzdem kann sich die Partei halten, was einmal mehr beweist: die SVP ist die einzige Partei, welche wirklich kämpfen kann.

2007 hat die SP auf einen Schlag alles verloren, was sie während den 90er Jahren an Wähleranteilen mühsam dazugewonnen hat und landete bei brutalen 19.5%. Wenn heute Wahlen wären, würde sie noch einmal verlieren und bei 18.6% landen. Der Grund ist einfach: Die Partei setzt auf die falsche Strategie.

Die FDP ist gemäss der Umfrage im freien Fall. Im Vergleich zu den Wahlen 2007 würde sie 3.5% verlieren bei 13.9% landen. Wer sich als Partei bei der wichtigsten Abstimmung der Legislatur nicht zu einer Meinung durchringen kann, kann nichts anderes erwarten. Aus heutiger Sicht sieht es für die Partei im Herbst nicht gut aus. Die Frage ist: wird die FDP im Herbst einfach verlieren oder droht der Partei ein regelrechter Tsunami? In letzterem Fall würden auf einmal ganz viele Sitze wackeln. So zum Beispiel in Basel Land, Basel Stadt, Bern und Aargau.

Die CVP verliert auch ein bisschen (-1.4%) aber weniger stark. Wenn heute Wahlen wären, würde sie 13.2% erreichen. Im Gegensatz zur FDP hat die CVP 2007 eine Stabilisierung erreicht. Die Duplizierung dieses Erfolges sollte für die Partei im Herbst das Minimalziel sein.

Die Grünen würden im Vergleich zu 2007 ganz leicht zulegen: 9.9 % (+0.3). In Anbetracht der politischen Grosswetterlage ist das ein enttäuschendes Resultat. Zudem gilt es zu bedenken, dass die Grünen bei Wahlen traditionell schlechter abschneiden als bei Umfragen. Wenn die Partei in den nächsten Umfragen unter 10% bleibt, ist die Gefahr gross, dass sie am Wahltag sogar zu den Verlierern gehören wird.

Die Grünliberale Partei ist die eigentliche Gewinnerin der Umfrage. Wenn heute Wahlen wären, würde sie sagenhafte 8% erreichen. Die Leute haben intuitiv das Gefühl, sie wüssten, was sie kriegen, wenn sie Grünliberal wählen. Die Partei hat einen klaren Brand, welcher der politischen Nachfrage entspricht. Der Erfolg illustriert auch die Schwäche von SP und FDP. Wenn die beiden Parteien ihre Arbeit richtig machen würden, dürfte es die GLP so nicht geben. Bei den Wahlen im Herbst wird die GLP höchstwahrscheinlich zu den Gewinnern gehören (vermutlich nicht in dem Ausmass wie in der Umfrage, aber trotzdem). Die Herausforderungen liegen für die GLP jenseits der Wahlen: dass sie bis jetzt vor allem eine Deutschschweizer Partei ist und schwaches Personal zu bieten hat.

Die BDP schliesslich erreicht in der Umfrage 3.7%. Auch hier gilt das Gleiche wie bei der GLP: die BDP wird bei den Wahlen im Herbst sicher zu den Gewinnern gehören. Die Probleme beginnen nach den Parlamentswahlen: Wie soll man als Kleinstpartei einen Sitz im Bundesrat legitimieren und verteidigen? Was hält die Partei zusammen, wenn der Bundesratssitz einmal weg ist?

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