Dominique Strauss-Kahn und unvorhergesehene Ereignisse im Wahlkampf

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Grundsätzlich ist dieser Blog dem Wahlkampf in der Schweiz gewidmet. Nun ist es aber so, dass ausser bei der SVP momentan leider bei keiner Partei wirklich das Wahlkampffieber ausgebrochen ist. Im Gegensatz dazu passiert im Ausland wahlkampftechnisch sehr viel. Deshalb ein Eintrag zu den momentanen Ereignissen in Frankreich.

Die Verhaftung des mittlerweile zurückgetretenen IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn hat den Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich über Nacht auf den Kopf gestellt. Solch unvorhergesehene Ereignisse können in Wahlkämpfen immer vorkommen. Das hierzulande bekannteste Beispiel ist die Flut-Katastrophe in Deutschland. Diese hat Gerhard Schröder damals für seine Wiederwahl hervorragend genutzt.

Es gibt noch andere Beispiele. 2004 wurde der spanische Ministerpräsident José María Aznar relativ überraschend abgewählt. Entscheidend dafür war wohl sein „Handling“ der Madrider Anschläge drei Tage vor dem Urnengang. Der demokratische U.S.-Senator Paul Wellstone stürzte kurz vor den Kongresswahlen 2002 mit dem Flugzeug ab. Der Republikaner Norman Coleman wurde anschliessend gewählt.

Die Krisenkommunikation sagt, dass jeder unvorhergesehene Event Gewinner und Verlierer produziert. Wer sind diese im Falle der Verhaftung von Dominique Strauss-Kahn? Klar profitiert der bisherige Präsident Nicolas Sarkozy. Strauss-Kahn wäre wohl sein härtester Konkurrent gewesen. Seine Chancen auf eine Wiederwahl haben sich über Nacht verbessert. Der grosse Verlierer ist sicher Strauss-Kahn selber. Zwar gab es schon früher Knicke in seiner Laufbahn. Von diesem dürfte er sich aber selbst bei einem juristischen Freispruch kaum erholen. Zumal sich momentan die Stimmen mehren, welche ihm zumindest in den Medien ähnliche Vorwürfe machen. Wie ich auch in einem Interview mit der Tagesschau online erklärt habe, sind Negativ-Kampagnen immer dann wirksam, wenn ein Muster auftritt, also wenn mehrere von sich unabhängige Stimmen das Gleiche sagen.

Wie jede Krise hat aber auch diese für andere Leute Chancen produziert. Wenn Strauss-Kahn aus dem Rennen ist, dürfte sich der Bürgermeister von Paris, Bertrand Delanoë, eine Kandidatur gut überlegen. Falls er in den Ring steigt, hätte er durchaus gewisse Chancen.