Wie werde ich Nationalrat?

Es gibt nicht wenige Nationalratskandidaten, welche fünfstellige Beträge für Plakate und Inserate ausgeben und trotzdem nicht gewählt werden. In der Tat: in einem Personenwahlkampf in der Schweiz ist die Ressource Zeit (clever eingesetzt!) viel entscheidender als Geld.


Von den (ehemaligen) Jungstars im Parlament lernen, heisst siegen lernen. Effektiv haben Ursula Wyss, Toni Brunner, Evi Allemann, Lukas Reimann und Christa Markwalder einiges gemeinsam. Sie alle kommen bei ihrer Zielgruppe sympathisch rüber. Das mag offensichtlich tönen, viele Kandidaten machen aber den Fehler, dass sie zu egozentrisch wirken. Die Schweiz ist nicht Amerika. Man zeigt Ambitionen nicht so offen, schon gar nicht in der Politik. Weiter hatten zumindest vier der fünf ein strategisches Ziel und während Monaten alle Ressourcen auf dieses Ziel ausgerichtet. Alle waren Stars in der eigenen Partei und hatten zusätzlich noch andere Plattformen wie beispielsweise Vereine, Berufsorganisationen oder Bewegungen (und haben diese effizient für ihre Wahlkämpfe genutzt).

Viele Kandidaten machen den Fehler, dass sie einen Personenwahlkampf gleich aufziehen wollen wie eine Kampagne für ein Produkt oder eine Partei. Die Dynamik eines Personenwahlkampfes ist aber grundsätzlich anders. In den allermeisten Kantonen braucht es nämlich wenig Stimmen, um gewählt zu werden. Wer beispielsweise auf einer FDP-Liste im Kanton Zürich in den Nationalrat gewählt werden will, braucht etwa 20‘000 Leute, welche ihn kumulieren oder panaschieren. Ein Kandidat auf einer SP-Liste im Kanton Bern braucht ungefähr 17‘000 Kumulierer oder Panaschierer. Auf einer CVP-Liste im Kanton St. Gallen braucht es noch 14‘000. Eigentlich nicht alle Welt bei 844‘000, 704‘000 respektive 294‘000 Stimmberechtigten.

In der Schweiz ist derjenige Personen-Wahlkampf am effizientesten, welcher nicht aussieht wie Wahlkampf. Personenwahlkämpfe werden nicht während den letzten paar Wochen entschieden. Teure Plakate mit lächelnden Gesichtern und inhaltlosen Sprüchen sind klassische Geldverschwendung. Es zählt die langfristige Aufbauarbeit und wie man diese im Wahlkampf verwertet. Dazu gehören eine aktive Medienarbeit, das clevere Nutzen von Vereinen und Verbänden sowie das Managen des eigenen Netzwerkes. Auch der Aufbau einer Datenbank ist essentiell. Jeder Vortrag und jeder Auftritt sollte dazu genutzt werden. Ein Kandidat für die Wahl in die Zürcher Exekutive hat mir vor der Wahl erzählt, er habe in seiner Datenbank mehr als 10‘000 Adressen. Chapeau! Er wurde mit Bravour wiedergewählt.

Medienpräsenz ist Rückenwind für einen Wahlkampf. Medienpräsenz hilft vor allem bei denjenigen Leuten, welche den Kandidaten bereits von irgendwoher kennen. Sie macht einen Politiker glaubwürdiger und wichtiger. Für National- und Ständeräte, welche gesamtschweizerisch wahrgenommen werden wollen, ist es zudem ein Muss, regelmässig in den Lead-Medien zu sein. Viele Politiker beklagen sich aber häufig über die Medien. In der Praxis ist es so: Man benutzt die Medien oder man bekämpft sie. Wer Journalisten als Partner sieht und ihnen gibt was sie wollen, der wird auch häufig zu Wort kommen. Während den letzten Monaten hatte ich die Gelegenheit, für eine NGO Medienarbeit zu machen. Innerhalb von wenigen Wochen war die Organisation im Echo der Zeit, in der Tagesschau online, im Blick am Abend und in diversen Lokalblättern.

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