Vorschau auf die Wahlen im Kanton Zürich

Dieses Wochenende sind im Kanton Zürich Regierungs- und Kantonsratswahlen. Der Urnengang im bevölkerungsreichsten Kanton der Schweiz hat ein halbes Jahr vor den eidgenössischen National- und Ständeratswahlen traditionell eine besondere Bedeutung. Entsprechend erhalten die Zürcher Wahlen immer auch Medienaufmerksamkeit über die Kantonsgrenzen hinaus.

Der Wahlkampf hat im Kanton Zürich allerdings denkbar langweilig begonnen. Sechs der sieben bisherigen Regierungsräte treten wieder an. Noch vor wenigen Wochen hätte ich deshalb gesagt, dass die sechs Bisherigen fest im Sattel sitzen. Der sogenannte Fukushima-Effekt hat die Ausgangslage aber schlagartig verändert. Letztes Wochenende wurde im Kanton Basel Land ein SVPler überraschend aus der Regierung abgewählt und der Grüne Isaac Reber gewann einen Sitz in der Exekutive. Auch im Kanton Zürich deuten einige Umfragen darauf hin, dass Martin Graf von der Grünen Partei Chancen auf einen Wahlsieg hat. Offenbar scheint vor allem der bisherige Baudirektor Markus Kägi (SVP) um seine Wiederwahl bangen zu müssen. Grüne schneiden bei Umfragen aber häufig schlechter ab als am Wahltag. Die SVP hingegen hat eine loyale Basis. Ob der sogenannte Fukushima-Effekt genug ist, um diese fundamentale Dynamik umzukehren, wird sich weisen müssen. Sicher aber stehen die Chancen von Martin Graf so gut wie nie zuvor. Es ist auch nicht auszuschliessen, dass auf einmal ein anderer Bisheriger als Markus Kägi um seine Wiederwahl bangen muss.

Bei den Kantonsratswahlen werden wohl vor allem die Grünliberalen von der Aktualität profitieren können. Die Frage ist nur noch wie stark, in welchen Bezirken und auf wessen Kosten. Weiter sind für mich bei den Kantonsratswahlen folgende Punkte spannend:

• Vor vier Jahren hat die SP geradezu dramatisch verloren. Kann sie einige der verlorenen Sitze zurückgewinnen?
• Schafft die BDP den Einzug in den Kantonsrat? Dazu müsste sie in mindestens einem Kreis die 5%-Hürde knacken. Das wäre wohl am ehesten in Uster möglich.
• Die FDP musste bei diversen Wahlen während der letzten Wochen arg bluten. Sowohl bei den kantonalen Wahlen in Genf und Lausanne sowie bei den kantonalen Wahlen in Basel Land hat die Partei herbe Verluste eingefahren. Der Kanton Zürich war einmal eine Hochburg der Freisinnigen. In diesem Sinn sind die Wahlen für die FDP ein wichtiger Test für die nationalen Wahlen.
• Auch für die CVP sind die kantonalen Wahlen ein wichtiger Test für den Herbst. Der dritte Nationalratssitz der CVP im Kanton Zürich ist nämlich ein Restmandat. Das Resultat von Morgen wird Aufschluss darüber geben, wie schwierig es für die Partei wird, den Sitz zu verteidigen.

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