FDP, CVP, SP: Guter Rat ist teuer


Das Superwahljahr hat für FDP, CVP und meiner Meinung nach auch für die SP mit einem Donnerschlag begonnen. Zürich war einmal eine Hochburg des Freisinns. Gestern hat die Partei hier 3% verloren. Sie erreichte gerade noch 12.9%. Auch die CVP gehört zu den Verlierern. Sie verliert 2.4% und landet bei mageren 4.9%. Der Leuthard-Effekt und die Aufbruchsstimmung von vor vier Jahren sind längst passé. Alles was die CVP an neuen Wählerschichten gewonnen hat, scheint wieder weg zu sein. Die SP hat vor vier Jahren im Kanton Zürich einen Drittel der Stimmen und Mandate verloren. Gestern hat sie auf diesem Rekordtief nochmals 0.15% und einen Sitz verloren.

Liegt alles am sogenannten Fukushima-Effekt? Die Tatsache, dass die FDP das Umweltthema seit fünfzehn Jahren fast demonstrativ ignoriert, ist ein strategischer Fehlentscheid, welcher sich nun rächt. In der Bundeshausfraktion gibt es vielleicht zwei, drei Freisinnige, welche umweltpolitisch etwas zu bieten haben. Sonst herrscht Wüste. Das Unglück in Japan hat dies akzentuiert. Es wäre aber etwas einfach, alles auf Fukushima abzuschieben. Die FDP hat national das letzte Mal 1979 (!) Wähleranteile gewonnen. Sie hat ausser in Neuenburg und Schaffhausen alle kantonalen Wahlen der Legislatur verloren. Sie hat bei den kommunalen Wahlen in Genf und Lausanne vor ein paar Wochen fast einen Viertel der Stimmen verloren.

Für Schweizer Parteien heisst Wahlkampf vor allem, Produkte zu produzieren. Man entwirft ein Plakat, ein Inserat und weil man modern sein will noch einen Blog oder Youtube-Film. Es bleibt aber eine Logik der Produkte. Modernes politisches Marketing versteht Kampagnen hingegen als Kommunikationsprozess. In diesem Sinn ist eine Kampagne eine Serie von strategischen Entscheiden. Der Amerikanische Starberater Joseph Napolitan sagt, dass Kampagnen durch drei einfache Schritte gewonnen werden: 1. Man entscheidet, was man sagen will. 2. Man entscheidet, wem und mit welchen Instrumente man es sagen will. 3. Man sagt, was man sagen will. So ist es. In diesem Prozess ist bei den etablierten Parteien etwas schiefgegangen. Ich habe jedenfalls weder von FDP, CVP noch SP eine Botschaft aus dem Zürcher Wahlkampf in Erinnerung. Auch zweifle ich, dass die Führungsriegen eine klare Vorstellung hatten, wen sie eigentlich genau erreichen wollten.

Sowohl FDP wie CVP brauchen im Herbst etwa 400'000 Leute, welche ihre Liste wählen. Das sind die guten News: es gibt 400‘000 Freisinnige im Land und es gibt auch 400'000 Christdemokraten. Auch gibt es Comeback-Kampagnen, an denen man sich inspirieren kann. Hillary Clinton beispielsweise hat während den Primaries dramatisch aufgeholt. Gerhard Schröder wurde zwei Mal totgesagt und hat dann während ein paar Wochen das Blatt mindestens einmal noch wenden können. Was haben solche Comeback-Kampagnen gemeinsam? Erstens muss man die eigene Message schärfen. Zweitens muss man in die Offensive gehen. Drittens braucht es Wille und Energie zum Überlebenskampf.

Die Gefahr ist gross, dass genau das Gegenteil passiert. Vor allem bei der FDP weiss es jeder besser. Die gegenseitigen Schuldzuweisungen und der interne Konkurrenzkampf sind enorm. Zahlreiche fähige und kompetente Leute kämpfen um immer weniger Sitze, welche es zu verteilen gibt. Jeder versucht vor allem mal, die eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen und die Warteschlange wird immer länger.

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