Ständeratswahlen im Kanton Bern: knapper Sieg von Adrian Amstutz




Adrian Amstutz gewann gestern die Ersatzwahl in den Ständerat im Kanton Bern mit
3‘637 Stimmen Vorsprung auf Ursula Wyss. Bereits schreiben einige Kommentatoren
vom grossen Sieg der SVP. Dabei kann man es durchaus auch anders sehen: die
Tatsache, dass ein SVPler im Kanton Bern gegen eine SP-Frau gewinnt, hätte vor
ein paar Jahren kaum für Schlagzeilen gesorgt. Die SVP ist im Kanton Bern jetzt
wieder dort, wo sie immer war: sie stellt einen der beiden Ständeräte.

Der Kanton Bern ist ein klar bürgerlicher Kanton. In Anbetracht dessen ist das
Resultat von Ursula Wyss mehr als ein Achtungserfolg. 159‘900 Stimmen muss
ein Kandidat der SP im Kanton Bern erst einmal schaffen. Simonetta Sommaruga
erzielte 2007 164‘557 Stimmen und 2003 152‘186.

Es gibt Beobachter, welche behaupten, dass der ehemalige Bieler Stadtpräsident
Hans Stöckli die Wahl gewonnen hätte. Das denke ich nicht. Dieser hätte zwar
vielleicht tatsächlich in der Mitte ein paar Stimmen mehr geholt, dafür aber die eigene
Basis weniger mobilisiert als Ursula Wyss. Betreffend dem Stichwort Mobilisierung
war übrigens auch der online-Wahlkampf von Ursula Wyss bemerkenswert. Im
Gegensatz zu anderen Kommentatoren denke ich deshalb auch, dass das Resultat
eine gute Vorlage für einen zweiten Anlauf ist. In diesem Zusammenhang darf nicht
vergessen werden, dass auch Simonetta Sommaruga zwei Anläufe brauchte, um
gewählt zu werden. 1999 hatte sie die Wahl in den Ständerat nämlich verloren.

Schliesslich ist auch die Stimmbeteiligung von 46.3% bemerkenswert. Es zeigt
sich einmal mehr: wenn die Stimmberechtigten einen Urnengang als wichtig
erachten, dann gehen sie auch wählen. Das heisst für die Parteien, dass sich
die besten Schlachtrösser nicht zu schade sein dürfen, in den Ring zu steigen.
Ständeratswahlen sind Personenwahlen. Wenn die Parteien diese geschickt
inszenieren, dürften sie in Zukunft spannender werden als sie in der Vergangenheit
waren.

Allerdings wird sich weisen müssen, wie der Sturm der SVP auf das Stöckli
weitergeht. In Zürich wird es schwierig werden, einen der beiden Bisherigen zu
verdrängen. Im Kanton St. Gallen unterlag Toni Brunner vor vier Jahren deutlich.
Der Kanton Aargau ist zwar während den letzten Jahren klar nach rechts gerutscht.
Allerdings ist Pascale Bruderer eine starke, konziliante Kandidatin und Ulrich
Giezendanner nicht unumstritten. Auf Englisch würde man sagen: „she can give him
a good run for the money“. Im Kanton Luzern gibt es zwar einen Rücktritt. Die SVP
hat dort aber derart katastrophales Personal, dass ich der Partei wenig Chancen
auf einen Ständerat gebe. Besser sieht es im Kanton Thurgau aus. Dort soll es in
der SVP ja sogar Stimmen geben, welche fordern, man solle als Partei mit 43.3%
Wähleranteil gleich beide Ständeratssitze anpeilen. Für Spannung ist also gesorgt!

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